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PROTECT Früherkennung - Bewegungsanalyse für Säuglinge

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Die Motorik ist ein Spiegel der Intaktheit des Gehirns - insbesondere im frühen Säuglingsalter.

Die Beurteilung des spontanen, nicht-zielgerichteten Bewegungsmusters von Neugeborenen und Säuglingen bis ca. 4 Monate lässt Rückschlüsse auf die Vernetzung im Gehirn zu. Diese Beurteilung wird General Movement Assessment (GMA) genannt und ist eine einfache, nicht-invasive, diagnostische Methode. Dabei wird der zufriedene Säugling mit seinen freiwilligen Bewegungen lediglich für einige Minuten gefilmt und danach das Video anhand eines Klassifikationssystems ausgewertet. 

Das Ziel unseres Projektes ist, genauer herauszufinden, wie sich das Bewegungsmuster von Säuglingen ohne und mit vorgeburtlichen Risikofaktoren in den ersten Monaten unterscheidet und inwieweit dies mit dem Verlauf der Entwicklung in den nächsten 2 Jahren zusammenhängt.

Mit den Ergebnissen des Projektes möchten wir dazu beitragen, dass Beeinträchtigungen von Kindern früher und korrekter erkannt werden und dass die betroffenen Kinder rascher eine angepasste Therapie und Förderung erhalten.

 

Informationen für Eltern

Was sind die Ziele des Projekts?

Im Projekt wird erfasst, ob die frühen, spontanen, nicht zielgerichteten Bewegungen Ihres Babys unauffällig sind. Die Videoaufnahmen aller Babys werden gesammelt, um daraus ein automatisiertes Analyseprogramm zu entwickeln, das der Früherkennung von Auffälligkeiten in der Entwicklung dienen soll.

Warum Bewegungsanalyse?

Durch die Videoaufnahme und nachfolgende Auswertung der Bewegungen Ihres Babys können wir das junge Nervensystem auf seine Funktionsfähigkeit überprüfen und eventuelle Störungen im Netzwerk des Gehirns Ihres Kindes bereits früh erkennen. Analysiert werden hierbei spontane Bewegungsmuster, die bereits während der Schwangerschaft beginnen und bis zum Einsetzen gezielten Greifens bei Ihrem Baby beobachtet werden können.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Ihr Baby liegt in einem zufriedenen Zustand auf dem Rücken auf einer Liege und bewegt sich so wie es will. Davon wird eine Videoaufnahme gemacht, die ca. fünf Minuten dauert. Während der gesamten Aufnahmezeit dürfen Sie bei Ihrem Baby bleiben, es aber nicht ablenken, damit es sich so bewegt, wie es spontan möchte. Die Videoaufnahme wird später von uns bewertet.

Gibt es Nachteile für Ihr Baby?

Die Untersuchung ist vollkommen nebenwirkungsfrei. Durch die Kamera entsteht keinerlei Strahlenbelastung und Ihr Baby wird zu nichts gedrängt.

Was passiert mit den Daten Ihres Babys?

Alle erhobenen Daten Ihres Babys (Vorgeschichte und Bewegungsanalyse) werden anonym, das heißt ohne Nennung des Namens oder Geburtsdatums, gespeichert. Durch digitale Bearbeitung ist Ihr Baby auf den Videos nicht mehr identifizierbar. Durch die Auswertung vieler Videos können wir eine zuverlässige, automatisierte Bewegungsanalyse für Säuglinge entwickeln, die in der Zukunft den Kinderärzt:innen bei der Beurteilung der Entwicklung im frühen Säuglingsalter helfen kann.

Bei Auffälligkeiten in der Video-Auswertung informieren wir die behandelnden Ärztinnen und Ärzte Ihres Babys. Diese können eine weitere Abklärung und Unterstützung mit Ihnen überlegen.

Wie geht es weiter?

Gerne möchten wir mehrere Videoaufnahmen Ihres Babys im Verlauf aufnehmen, um die Entwicklung zu beobachten. Bei Auffälligkeiten organisieren wir gerne eine entwicklungsneurologische Weiterversorgung im iSPZ Hauner.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie mit Ihrem Baby an unserem Projekt teilnehmen!
Gerne beantworten wir Ihre Fragen unter: protect@med.uni-muenchen.de

 

 

Informationen für Personal

Automatisierte Bewegungsanalyse für Säuglinge

Was ist das Ziel?

Ziel der Studie ist es, die menschliche Entwicklung in den ersten 6 Lebensmonaten messbar zu machen und dadurch Abweichungen von der „normalen“ Entwicklung früher zu erkennen.

Wie ist der Ansatz?

Wir entwickeln anhand von Videoaufzeichnungen und unter Anwendung künstlicher Intelligenz ein automatisiertes Bewegungsanalysesystem, welches später kostengünstig und ohne viel Aufwand in der Gesundheitsvorsorge beim Kinderarzt oder in Kinderkliniken eingesetzt werden kann.

Was ist das Ergebnis?

Durch die frühzeitige Erkennung auffälliger Bewegungsmuster kann eine gezielte und vor allem frühe Förderung initiiert werden, die zu einer Verbesserung der individuellen Entwicklung führen kann.

Was ist der Hintergrund?
  • General Movements (GMs): sind ungerichtete Ganzkörperbewegungen bei Säuglingen, die bereits in der Frühschwangerschaft auftreten und bis zum Einsetzen der gezielten Greifmotorik im Alter von +/- 4 Monaten zu erkennen sind. Es hat sich gezeigt, dass GMs sehr genau die Integrität des jungen Nervensystems abbilden und zuverlässig für eine Früherkennung verwendet werden können. Die Bewertung dieser Spontanmotorik anhand von 3-5 Minuten dauernden Videos durch trainierte Untersucher wird GM-Analyse (GMA) genannt. Mit Reifung des Nervensystems (des Säuglings) verändern die GMs ihren „Charakter“, sodass man drei Arten von General Movements unterscheidet: die "preterm movements" (bis zur 38. Woche postmenstruell), " writhing movements" (bis ca. 8 Wochen korrigierten Alters) und "fidgety movements" (bis ca. 4 Monate korrigierten Alters). Daher wollen wir gerne mehrere Videos über die ersten 3-6 Lebensmonate aufnehmen.
  • Um die automatisierte (KI-basierte) Früherkennung zu entwickeln möchten wir - neben der Untersuchung von gesunden Säuglingen – insbesondere auch Säuglinge mit einem Risiko für eine spätere Entwicklungsstörung untersuchen.
  • Immer wieder haben Kinder einen oder mehrere Risikofaktoren, welche zu einer auffälligen frühen Entwicklung beitragen können (z.B. pränatale Toxin-Exposition, Frühgeburtlichkeit, pränatale Infektion, Geburtskomplikation oder genetische Erkrankung). Daher erfassen wir auch einige persönliche Daten zur Vorgeschichte, welche natürlich alle anonym verarbeitet werden.
Wie läuft die Studie ab?

Die Aufnahme erfolgt auf einer Untersuchungsliege in Rückenlage im Beisein der Eltern und dauert max. 5 Minuten. Das Baby sollte hierbei in einem wachen und aktiven Zustand, satt und zufrieden und lediglich mit einem Body bekleidet sein. Während der Aufnahmezeit darf das Baby nicht abgelenkt werden, damit die spontan generierten Bewegungen nicht verfälscht werden. Sollte sich das Baby unwohl fühlen, kann jederzeit unterbrochen werden. Die Videoaufnahme wird nach der Untersuchung von mindestens zwei geschulten Personen unabhängig bewertet.

Gibt es Nachteile für das Baby?

Die Untersuchung ist vollkommen nebenwirkungsfrei, da nur die Bewegungen gefilmt werden, die auch ohne begleitende Videoaufnahme beobachtet werden können. Das Baby wird zu nichts gedrängt und durch die Kamera entsteht keinerlei Strahlenbelastung.

Das Gesicht des Säuglings wird im Anschluss sofort digital unkenntlich gemacht (automatisch verpixelt). Erhobene Daten werden pseudonymisiert und offline auf einem lokalen Rechner gespeichert, um größtmöglichen Datenschutz zu gewährleisten.

 

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie an unserem Projekt teilnehmen!

Gerne beantworten wir Ihre Fragen unter: protect@med.uni-muenchen.de

 

 

 
 

Team

PD Dr. med. Dipl.-Psych. Mirjam N. Landgraf
PD Dr. med. Sebastian Schröder
Dr. med. Mara Schneider
Soubarna Banik M. Sc.
Cand. med. Katharina Lippert
Cand. med. Kathrin Neumayr
Cand. med. Tabitha Gottlieb