ForDigitHealth - Gesund digital leben

Biomedizinische Folgen von Belastungen durch digitale Technologien und Medien am Arbeitsplatz

Laufzeit

2019 - 2023

Förderer

Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Verbundpartner

Das Projekt ist Teil des Bayerischen Forschungsverbundes „ForDigitHealth“, ein interdisziplinärer Verbund von elf Forschungsgruppen aus fünf Disziplinen (Medizin, Psychologie, Kommunikationswissenschaft, Wirtschaftsinformatik, Informatik) an fünf bayerischen Universitäten (Augsburg, Bamberg, Erlangen-Nürnberg, München, Würzburg).

Mitarbeiter

Helena Kaltenegger, M.Sc.; Prof. Dr. Matthias Weigl; Prof. Dr. Dennis Nowak

Hintergrund

Angesichts aktueller Veränderungen in der Arbeitswelt, wie zunehmende Digitalisierung und Beschleunigung der Arbeit oder die Verschmelzung von Berufs- und Privatleben, kann der Arbeitsplatz eine maßgebliche Ursache für Stress darstellen. Die Förderung der Gesundheit Beschäftigter wird vor diesem Hintergrund zusehends wichtiger. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, wie E-Mails, Smartphones, Instant-Messaging-Systeme etc., führen meist zu Unterbrechungen des Arbeitsflusses, Ablenkungen, großen Informationsmengen und Multi-Tasking-Anforderungen. Wie dadurch Stress ausgelöst werden kann und welche gesundheitlichen Folgen für die Beschäftigten damit einhergehen, soll im Rahmen dieses Projekts erforscht werden.

Konkret soll untersucht werden, (1) wie digitale Technologien und drei spezifische Arbeitsbelastungen, nämlich Informationsmenge, Unterbrechungen und Multi-Tasking, in der Entstehung von digitalem Stress zusammenwirken und (2) mit welchen kurzfristigen Stressreaktionen und längerfristigen psychophysischen Gesundheitsfolgen diese mit digitalen Technologien assoziierten Arbeitsbelastungen einhergehen. Insbesondere soll neben der negativen Seite von Stress (Distress) auch die mögliche positive, anregende Wirkung von Stress (Eu-Stress) im Zusammenhang mit der Nutzung von digitalen Technologien und Medien beleuchtet werden.   

Auf Basis bekannter arbeitspsychologischer Modelle werden wir Stressreaktionen auf physiologischer Ebene untersuchen, d.h. vor allem Entzündungsreaktionen, die indikativ für chronischen Stress sein können und mit längerfristigen Erkrankungen assoziiert sind. Darüber hinaus möchten wir erfassen, inwieweit es zu gesundheitliche Beschwerden auf verschiedenen Ebenen (psychosomatisch, muskuloskelettal, psychisch, Schlaf und Erholung) bei Beschäftigten kommt. Daneben interessieren uns der Einfluss von Aufgabenmerkmalen in der Entstehung von digitalem Stress, der Zeithorizont einer möglichen Assoziation mit Gesundheitsfolgen sowie etwaige Wechselwirkungen zu bereits bestehenden Beschwerden.

Projektziele

Verbundziel

Das übergreifende Ziel des Forschungsverbundes besteht darin, die Gesundheitseffekte der zunehmenden Präsenz und Nutzung digitaler Technologien und Medien wissenschaftlich zu erschließen sowie Präventions- und Interventionsansätze zu erarbeiten. Dadurch soll der Forschungsverbund zu einem gesunden Umgang mit digitalen Technologien und Medien auf individueller wie kollektiver Ebene beitragen. 

Projekt-spezifische Ziele:

Forschungsziel unseres Teilprojekts ist es, empirische Evidenz zu den biomedizinischen Auswirkungen der Nutzung digitaler Technologien und Medien am Arbeitsplatz zusammenzutragen. Mittels arbeitsmedizinischer und –psychologischer Methodik sollen Effekte auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit Beschäftigter eruiert und nützliche (mit potentiell positiven Folgen) sowie adverse Effekte (mit potentiell negativen Folgen) der Nutzung digitaler Technologien und Medien differenziert betrachtet werden.

Praxis-Ziel unseres Projekts ist es, empirisch fundierte Optionen zur soziotechnischen Gestaltung von Arbeitsplätzen und –systemen abzuleiten. Es sollen praktische Ansätze entwickelt werden, wie digitaler Stress am Arbeitsplatz vermieden werden kann, und somit ein wesentlicher Beitrag zur Verhältnisprävention geleistet werden.

Methoden

Zunächst wird eine systematische Literaturübersicht (und Metaanalyse) zum Zusammenhang von Arbeitsmerkmalen und Gesundheitsfolgen erstellt. Daran anschließend sollen zwei empirische Studien bei Beschäftigten durchgeführt werden. Anhand einer Tagebuch-Studie (2 Wochen) soll der kurz- und mittelfristige Einfluss von Arbeitsbelastungen im Zusammenhang mit digitalen Technologien und Medien auf mögliche Stressreaktionen sowie die psychophysische Gesundheit beurteilt werden. Durch eine Längsschnitt-Studie (1 Jahr) sollen längerfristige gesundheitliche Auswirkungen prospektiv erforscht werden und wenn möglich, Aussagen zur Kausalität abgeleitet werden.

In den Studien werden etablierte arbeitsmedizinische, psychologische und biopsychologische Methoden eingesetzt, wie Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren, standardisierte Arbeitsplatzbeobachtung sowie die Messung von Biomarkern (minimal invasiv über sogenannte dried blood spots).

Ergebnisse

Studienprotokoll des Systematischen Reviews veröffentlicht (siehe Link)

Ergebnisse des Systematischen Reviews veröffentlicht: https://doi.org/10.5271/sjweh.3982

Publikationen

Kaltenegger, H. C., Becker, L., Rohleder, N., Nowak, D., & Weigl, M. (2021). Associations of working conditions and chronic low-grade inflammation among employees: A systematic review and meta-analysis. Scandinavian Journal of Work, Environment & Health. Advance online publication. https://doi.org/10.5271/sjweh.3982

Kaltenegger, H. C., Becker, L., Rohleder, N., Nowak, D., & Weigl, M. (2020). Association of working conditions including digital technology use and systemic inflammation among employees: Study protocol for a systematic review. Systematic Reviews, 9(1), 221. https://doi.org/10.1186/s13643-020-01463-x

Links:

Website des Forschungsverbundes:

https://gesund-digital-leben.de/

 

Wissenschaftlicher Blog des Forschungsverbunds:

https://scilogs.spektrum.de/gesund-digital-leben/gesund-digital-leben-der-bayerische-forschungsverbund-fordigithealth/

 

Kontakt:

Helena Kaltenegger, M.Sc.

Tel.: +49 (0)89 4400-52324; E-Mail: helena.kaltenegger@med.lmu.de

PI: Dr. Matthias Weigl (matthias.weigl@med.lmu.de; 089 - 4400 55311)