AmigA-M - Arbeitsförderung mit gesundheitlicher Ausrichtung in München

AmigA-M - Arbeitsförderung mit gesundheitlicher Ausrichtung in München

 

Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation

 

Laufzeit: 14 Monate (11/2009–12/2010)

 

Förderer:

Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte in den Regionen (Link)

Arbeitsgemeinschaft für Beschäftigung München GmbH (Link)

 

Projektleitung:

PD Dr. phil. Jürgen Glaser, Dipl. Psych. (Koordination), Dr. phil. Britta Herbig, Dipl.-Psych. (Evaluation), PD Dr. med. Peter Angerer (medizinische Fragen)

 

Mitarbeiter:

Angelina Fass,

Dr. med. Cordula Feldhege, Fachärztin für Chirurgie, Psychotherapeutin

Ludwig M. Ott, Arzt

 

Kooperierende Institutionen und Wissenschaftler:

Prof. Dr. med. Peter Henningsen, PD Dr. Claas Lahmann, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Technischen Universität München (Link)

Prof. Dr. med. Harald Gündel, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover (Link)

 

Hintergrund:

Erkrankte Menschen werden nicht nur häufiger arbeitslos, sondern Arbeitslosigkeit, v.a. Langzeitarbeitslosigkeit, erhöht auch das Risiko, krank zu werden. Diese Dynamik wird vor allem bei älteren Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko und schlechteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt noch verschärft. Vor diesem Hintergrund soll AmigA-M, das eingebettet ist in KompAQT 50plus [Link], einer Initiative der Münchener ARGE, älteren Langzeitarbeitslosen mit vermittlungsrelevanten gesundheitlichen und/oder psychosozialen Einschränkungen helfen. Zentrale Ziele des Konzepts sind eine nachhaltige berufliche Wiedereingliederung und eine Verbesserung der Gesundheit und Integrationsfähigkeit der Arbeitslosen.

AmigA (Arbeitsförderung mit gesundheitlicher Ausrichtung) besteht aus einer engen Verzahnung von Maßnahmen der Arbeitsvermittlung mit gesundheitsbezogenen Maßnahmen, die auf Basis ausführlicher Diagnostik auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden angepasst werden. Dazu werden zeitnah Unterstützungs- und Beratungsleistungen aus Beschäftigungsförderung und Gesundheitswesen bereitgestellt. Die häufig gegebenen komplexen Problemlagen der AmigA-Kunden bedürfen einer umfassenden Betreuung, die zeitnah benötigte Unterstützungs- und Beratungsleistungen aus Beschäftigungsförderung und Gesundheitswesen bereitstellen muss. Diese umfassende Betreuung wird in AmigA durch ein interdisziplinäres Fallmanagementteam, bestehend aus beruflich-sozialem Fallmanager, (Sozial-)Mediziner und Psychotherapeut, geleitet und durchgeführt. Aufgaben der Gesundheitsexperten (Mediziner und Psychotherapeut) sind dabei nicht nur eine ausführliche Diagnostik und damit die Bereitstellung von Entscheidungshilfen für den Fallmanager, sondern auch die Vermittlung von weitergehenden Hilfen und die Betreuung der Kunden im Prozess. Die einzelnen Maßnahmen und Unterstützungsleistungen werden dazu eng im Fallmanagementteam abgestimmt, um eine integrierte und ganzheitliche Betreuung zu ermöglichen. Um die Wirksamkeit zu gewährleisten, müssen die einzelnen Leistungen vom Kunden angenommen und als Bestandteil eines Integrationsplans vereinbart werden. Die Dauer von AmigA beträgt etwa sechs Monate, kann aber je nach Art der Kundenbeeinträchtigungen auch deutlich überschritten werden. Ein erstes Modellprojekt wurde 2005 bis 2008 in Brandenburg umgesetzt.

 

Ziele der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation:

Die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Projektes AmigA-M verfolgt zwei wesentliche Ziele:

Die Koordination und Optimierung von Abläufen durch eine formative Prozessevaluation in der Anlaufphase des Projektes.

Die wissenschaftliche Bewertung der Wirksamkeit von AmigA durch eine summative Prozessevaluation und eine Ergebnisevaluation, die sich auf die zentralen Ziele von AmigA-M - eine nachhaltige berufliche Wiedereingliederung und eine Verbesserung der Gesundheit und Integrationsfähigkeit der älteren Arbeitslosen – bezieht.

 

Umsetzung der Prozessevaluation:

Das AmigA-Konzept erhält eine hochgradig individualisierte Komponente, in dem für jeden Kunden die optimale Kombination von Betreuung und Maßnahmen gefunden werden soll. Diese, normativ sehr positiv zu bewertende Herangehensweise, erschwert jedoch die Evaluation erheblich, da nicht von einem identischen Treatment für jeden AmigA Teilnehmer ausgegangen werden kann. Daher ist – neben der üblicherweise genutzten Ergebnisevaluation – eine summative, abschließende Prozessevaluation unabdingbar, in der alle mit dem Kunden unternommenen Schritte (Maßnahmen, Module, Arbeitsgelegenheiten, Therapien usw.) erfasst werden, um kontrollierend in die Auswertungen der Ergebnisevaluation einfließen zu können. Darüber hinaus wird insbesondere zu Beginn von AmigA-M eine formative Prozessevaluation angestrebt, um über die Beobachtung und Bewertung der Abläufe im Projekt eine Optimierung des Vorgehens und möglichst geringe Schnittstellenproblematiken zu erreichen. So werden etwa Dokumentationsblätter auf die Bedürfnisse der beteiligten Disziplinen angepasst, eine Standardisierung der AmigA-Eingangsdiagnostik überprüft und Supervision für die Gesundheitsexperten angeboten bzw. vermittelt.

 

Methodik der Ergebnisevaluation:

Als wissenschaftlicher „Gold-Standard“ zur Maßnahmenevaluation wird für die Ergebnisevaluation von AmigA-M ein randomisiertes Interventions-/Kontrollgruppendesign umgesetzt, wobei aufgrund der tendenziell positiven Befunde früherer Evaluationen, die Kontrollgruppe als Wartegruppe ausgelegt wird. Kunden der Münchener Sozialbürgerhäuser werden auf Grundlage der Einschlusskriterien „langzeitarbeitslos, über 50 Jahre mit vermittlungsrelevanten gesundheitlichen Einschränkungen“ zufällig auf die Interventions- und die Wartegruppe aufgeteilt, wobei die Wartegruppe nach sechs Monaten ebenfalls die AmigA-Maßnahme durchläuft.

Mit AmigA-M verbinden sich zwei zentrale Ziele: Die Erhöhung der Anzahl von nachhaltig in den Arbeitsmarkt eingegliederten älteren Langzeitarbeitslosen mit vermittlungsrelevanten gesundheitlichen und/oder psychosozialen Einschränkungen sowie die Verbesserung der Integrationsfähigkeit und Gesundheit dieser Personengruppe. Mit diesen Zielen sind auch die zentralen Evaluationskriterien definiert, anhand derer AmigA-M bewertet werden muss:

Die Beschäftigungssituation der Kunden und ihre psychische, physische und soziale Gesundheit (im Sinn der Salutogenese). Als zentrale Maße werden diese objektiv erhoben: Die Beschäftigungssituation der Kunden wird gemäß der Aktivierungs- und Integrationsstatistik von den Fallmanagern differenziert erfasst und fortgeschrieben. Die Gesundheitsexperten beurteilen physische und psychische Gesundheit nach standardisierten Verfahren. Diese Daten werden durch Selbstberichtsdaten ergänzt. Als ein Ziel von AmigA-M, das der Wiederbeschäftigung vorgelagert ist, gilt die Erhöhung der Integrationsfähigkeit der Kunden. Neben den Gesundheitsaspekten gehört zu diesem Bereich auch die Wiederherstellung bzw. Erhöhung der (körperlichen, sozialen und kognitiven) Leistungsfähigkeit, wie sie für den Arbeitsmarkt notwendig ist. In diesem Bereich werden zur Evaluation weitestgehend objektive Leistungstests eingesetzt. Schließlich werden aus einer salutogenetischen Perspektive auch individuelle und umweltbezogene Ressourcen und Stressoren erfasst, die für die Bewältigung der Arbeitslosigkeitssituation hilfreich oder hinderlich sein können.

Zusammenfassend werden für die Ergebnisevaluation der Maßnahme AmigA-M damit folgende Kriterienbereiche erfasst:

  • Art und Umfang der Arbeitsaufnahme
  • selbst- und fremdbeurteilte körperliche Gesundheit
  • selbst- und fremdbeurteilte psychische Gesundheit
  • (körperliche und kognitive) Leistungsfähigkeit
  • personenbezogene Ressourcen und Stressoren

Es wird erwartet auf Basis dieser Kriterien in einem randomisierten Design ein umfassendes Bild über die Wirksamkeit von AmigA-M zu erhalten und damit fundierte Empfehlungen hinsichtlich der Weiterführung dieses Projektes geben zu können.

 

Ergebnisse:

Ergebnisse sind publiziert in:

Herbig, B., Glaser, J. & Angerer, P. (2012). Alt, krank, arbeitslos, chancenlos? Ergebnisse einer randomisierten Kontrollstudie zur Wirksamkeit kombinierter Gesundheits- und Arbeitsförderung bei älteren Langzeitarbeitslosen (AmigA-M). Bundesgesundheitsblatt, 55(8), 970-979..

 

Weiterführende Links:

Flyer (Download pdf)