Vertebroplastie
Vertebroplastie
Oberarzt PD. Dr. med. Christoph J.Zech
Oberarzt Dr. med. Christoph Trumm
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Maximilian F. Reiser
Was ist eine Vertebroplastie?
Die Vertebroplastie ist ein minimal-invasives radiologisches Verfahren zur Behandlung von Knochenschmerzen und zur Stabilisierung von Wirbelkörperfrakturen. Dieses neue Verfahren kann sowohl bei gutartigen (benignen) als auch bei bösartigen (malignen) Erkrankungen der Wirbelsäule eingesetzt werden. Durch diese neue Behandlungsmethode kann eine Stabilisierung des betroffenen Knochens und eine deutliche Schmerzreduktion erreicht werden.
Der zur Verstärkung von benignen und malignen Knochenläsionen verwendete Knochenzement (Polymethylmethacrylat, PMMA) wird computertomographisch-gesteuert bzw. unter Durchleuchtungskontrolle eingebracht.
Was ist das Wirkprinzip der Vertebroplastie?
Patienten mit fortgeschrittener Osteoporose leiden massiv unter den durch Mikrofrakturen der Knochenspongiosa bzw. Impressionsfraktur-bedingten Schmerzen. Dabei wird die schmerzlindernde Wirkung der Vertebroplastie durch eine Stabilisierung der osteoporotisch veränderten Wirbelkörper durch den von außen eingebrachten Zement erklärt.
Der analgetische Effekt der Vertebroplastie kann aber nicht ausschließlich auf die Stabilisierung der betroffenen Wirbelkörper zurückgeführt werden. Eine signifikante Schmerzreduktion konnte durch eine Injektion von geringen Mengen Knochenzement (2ml) in Knochenmetastasen beobachtet werden, wobei der stabilisierende Effekt dieser geringfügigen Menge Zement als vernachlässigbar angesehen werden muss. Eine mögliche Erklärung für die subjektive Besserung der Beschwerden ist die Zytotoxizität und Neurotoxizität des Zements durch chemische und hitzebedingte Effekte während der Aushärtung im behandelten Wirbelkörper. Die während der Aushärtung entstehenden Temperaturen können dabei in einem Bereich liegen, die eine Proteindenaturierung von Tumorgewebe, aber auch von Nervenfasern verursacht.
Wie wird die Indikation zur Vertebroplastie gestellt?
Jede Vertebroplastie setzt eine ausführliche Anamnese des Patienten voraus. Alle bereits erhobenen Befunde müssen kritisch im Hinblick auf die Indikationsstellung und auf das Vorliegen möglicher Kontraindikationen hin überprüft werden. Zur sicheren diagnostischen Abklärung eines betroffenen Wirbelkörpers ist die Durchführung einer Schnittbilddiagnostik unumgänglich. Hierbei sollte auf jeden Fall eine computertomographische Untersuchung des betroffenen, schmerzhaften Wirbelsäulenabschnitts in Knochentechnik durchgeführt werden. Bei Schwierigkeiten in der Unterscheidung zwischen einer osteoporotischen Fraktur und einer Fraktur aufgrund eines malignen Prozesses, kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein. Die Indikationsstellung sollte durch den Arzt erfolgen, der die Vertebroplastie später dann auch durchführt. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf relevante Medikation (z.B. Einnahme von Antikoagulantien), bekannte allergische Reaktionen und den Gerinnungsstatus gelegt werden.
Wann ist die Vertebroplastie indiziert?
Indikationen für eine perkutane Vertebroplastie umfassen sowohl benigne (z.B. Osteoporose, Hämangiom) als auch maligne (z.B. Myelombefall, osteolytische Metastasen) Veränderungen der Wirbelsäule.
Eine der Hauptindikationen ist das Vorliegen einer schmerzhaften, osteoporotischen Wirbelkörperfraktur (siehe Abbildung 1-3), deren konservative Therapie entweder gescheitert ist, bzw. der konservative Therapieansatz keine wesentliche Schmerzerleichterung für den Patienten gebracht hat. Ein Scheitern der konservativen Therapie liegt im Regelfall dann vor, wenn sich nach einem angemessenen Zeitraum der medikamentösen Therapie die Schmerzsymptomatik des Patienten nicht signifikant gebessert hat oder die Dosierung der Analgetika zu signifikanten Nebenwirkungen wie Sedation, Verwirrtheit oder ähnlicher durch hohe Dosierungen von morphinähnlichen Analgetika bedingten Nebenwirkungen führt.
Eine seltenere Indikation zur Durchführung einer perkutanen Vertebroplastie sind nicht-osteoporotische, akut-traumatisch, nicht-dislozierte Frakturen, die meist konservativ behandelt werden und keine Indikation zur offenen operativen Therapie darstellen.
Auch das Vorliegen einer Wirbelkörperfraktur, ausgehend von einer Osteonekrose des betroffenen Wirbels (Kümmell - Syndrom) oder chronische Frakturen ohne knöcherne Heilung oder Zystenbildung können in Einzelfällen mit einer Vertebroplastie behandelt werden. Des weiteren kann bei einem interdisziplinären Behandlungskonzept eine adjuvante peri- oder intraoperative Stabilisierung mittels Vertebroplastie im Rahmen operativ stabilisierender Maßnahmen durchgeführt werden.
Weitere Indikationen können schmerzhafte Osteolysen bei benignen (Hämangiom) oder malignen Tumoren (Plasmozytom, Metastase) sein (siehe Abbildung 4-6), bei denen die perkutane Vertebroplastie im Rahmen eines fächerübergreifenden Therapiekonzepts (Bestrahlung, chemotherapeutische Behandlung) oder weiterer minimal-invasiver Therapien (Thermoablation, transarterieller Tumorembolisation) eingesetzt werden kann.
Was sind die Kontraindikationen für eine Vertebroplastie?
Hier muss man zwischen relativen und absoluten Kontraindikationen unterscheiden.
Relative Kontraindikationen
Patienten mit einem Alter von unter 60 Jahren sollten primär mittels chirurgischen Methoden behandelt werden, wobei die Altersgrenze von der individuellen Situation des Patienten abhängig gemacht werden muss. Begründet wird diese Einschätzung mit den bisher nur begrenzt verfügbaren Kenntnissen über die Langzeitverträglichkeit der zur Vertebroplastie verwendeten Zementverbindungen. Abhängig von der Grunderkrankung und der klinischen individuellen Situation kann von diesem Schema abgewichen werden. So kann bei jüngeren Patienten mit Malignomen, die osteolytische Metastasen verursacht haben und bei denen die Behandlung in palliativer Intention geschieht, u. U. eine Ausnahme gemacht werden.
Anatomische Gegebenheiten, wie zum Beispiel eine Vorwölbung bzw. ein partieller oder gar kompletter Verlust der knöchernen Wirbelkörperhinterkante bedarf vor der Durchführung der Behandlung der besonderen interdisziplinären Evaluation. Auch eine radikuläre Symptomatik im zu therapierenden Segment ist als relative Kontraindikation zu sehen, wenn die Therapie nicht im Zusammenhang mit dekomprimierenden, nervenentlastenden Maßnahmen durchgeführt wird. Eine Tumorausdehnung mit Spinalkanaleinengung bedarf einer von Fall zu Fall unterschiedlichen Vorgehensweise. Als relative Kontraindikation sind auch eine Behandlung von mehr als drei Wirbelkörperhöhen in einer Sitzung, eine manifeste bakterielle Infektion, stabile Wirbelkörperfrakturen mit einem Alter von mehr als 2 Jahren und osteoplastische (knochenbildende) Metastasen zu werten.
Absolute Kontraindikationen
Als absolute Kontraindikation für die Vertebroplastie sind asymptomatische, stabile Wirbelkörperfrakturen zu sehen, da eine Behandlung keinerlei Verbesserung der Beschwerdesymptomatik des Patienten erwarten lässt. Auch die Durchführung einer prophylaktischen Vertebroplastie oder die Behandlung von Patienten, die von einer medikamentösen Therapie offensichtlich profitieren, sollte unterbleiben. Eine bekannte Allergie gegenüber einer der für die Prozedur notwendigen Komponenten, insbesondere gegenüber einem Bestandteil des Zements oder eine floride Osteomyelitis (Entzündung des Knochens) oder Spondylodiszitis (Entzündung der Bandscheibe) der zu behandelnden Wirbelkörper schließen die Durchführung einer Vertebroplastie aus. Weiterhin sind therapierefraktäre Koagulopathien (Blutgerinnungsstörungen) oder hämorrhagische Diathesen als Ausschlusskriterien für eine perkutane Vertebroplastie zu werten.
Wie wird eine Vertebroplastie durchgeführt?
Nach ausführlicher Aufklärung über die Behandlung, interdisziplinärer Indikationsstellung zusammen mit Kollegen aus der Abteilung für Orthopädie und Sichtung Ihrer Laborergebnisse und Schnittbilduntersuchung wird die Therapie im Institut für Klinische Radiologie der Ludwig-Maximilians-Universität München – Standort Grosshadern, Einheit für Angiographie und Interventionelle Radiologie durchgeführt.
Zur Durchführung einer minimal-invasiven, perkutanen Vertebroplastie ist eine für diese Art der Intervention geeignete bildgebende Kontrolle, wie mono- oder biplanare Fluoroskopie, CT (mit der Möglichkeit der CT – Fluoroskopie) oder eine Kombination aus CT und Durchleuchtungsmöglichkeit notwendig. Falls für die Durchführung der Vertebroplastie ausschließlich eine Durchleuchtungsmöglichkeit zur Verfügung steht, sollte ein Zugang zu CT oder MRT möglich sein, um im Fall einer eventuellen Komplikation diese unmittelbar ausschließen bzw. nachweisen zu können.
Abhängig von der Höhe der zu behandelnden Wirbelkörper wird der Patient für Eingriffe an Brust– und Lendenwirbelsäule in Bauchlage, bei Eingriffen an der Halswirbelsäule in Rückenlage gelagert. Nach der Durchführung einer Planungs-CT wird anhand der Bilddaten der Zugangsweg festgelegt und im Bereich des Zugangsweges die Lokalanästhesie von Haut, Unterhautfettgewebe und der Knochenhaut (Periost) appliziert. Abhängig von der Höhenlokalisation des schmerzhaften Wirbelsegmentes wird ein angepasster Zugangsweg gewählt. Dieser unterscheidet sich somit für die Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule. Im Bereich der Halswirbelsäule wird ein Zugangsweg von „schräg-vorne“, im Bereich der Brustwirbelsäule über das Wirbelsäulen-Rippen-Gelenk und in Höhe der Lendenwirbelsäule ein Zugangsweg über die Bogenwurzel des Wirbelkörpers gewählt.
Bei Eingriffen im Bereich der HWS ist vorab ein Planungs-Computertomographie mit Gabe von Röntegnkontrastmittel erforderlich, um insbesondere die arteriellen Halsgefäße lokalisieren und abgrenzen zu können. Ggf. wird auch während der Intervention wiederholt Kontrastmittel gegeben, um eine Gefäßverletzung zu vermeiden.
Die Verwendung der CT–Fluoroskopie erlaubt die optimale Planung des Zugangsweges und gestattet somit auch eine exakte Positionierung der Nadelspitze in der Mitte des vorderen Drittels des Wirbelkörpers. Nach Platzierung des Nadelsystems wird der Zement vorbereitet und während seiner zähflüssigen, pastenartigen Phase mittels Applikationssystem unter kontinuierlicher CT-Durchleuchtungskontrolle eingebracht. Durch diese „Online“-Bildgebung kann das Risiko eines Zementaustritts in den Spinalkanal, das Bandscheibenfach oder in das Weichgewebe neben der Wirbelsäule minimiert werden.
Ein ausreichendes Ergebnis ist dann erreicht, wenn der Zement die vorderen 2/3 bis 3/4 des Wirbelkörpers und wenigstens 2/3 seiner gesamten Höhe ausfüllt. Die Menge des zu applizierenden Zements wird von verschiedenen Autoren mit 2 bis 15 ml mit einem durchschnittlichen Wert von 8 ml angegeben. Bei der Beendigung der Injektion wird der in der Hohlnadel verbliebene Zement ebenfalls in den Wirbelkörper vorgeschoben. Dadurch wird eine Ausbreitung des Zements entlang des Zugangsweges verhindert. Abschließend wird ein steriler Verband angelegt und eine erneute CT-Kontrollaufnahme zur Dokumentation des Ergebnisses durchgeführt.
Welche Komplikationen und Nebenwirkungen gibt es?
Die mininmal-invasive, perkutane Vertebroplastie ist ein sehr sicheres Verfahren. Die schwerste, während oder nach einer Vertebroplastie auftretenden Komplikation ist eine Leckage bzw. eine Verschleppung des Zements. Leckagen können in die epiduralen Venen und in den Epiduralraum mit einer konsekutiven Einengung des Spinalkanals, aber auch in die Neuroforamen mit einer anschließenden radikulären Symptomatik auftreten.
In Einzelfällen wurden Lungenembolien durch Zementverschleppung beschrieben, die jedoch in den meisten Fällen klinisch unauffällig blieben und im wesentlichen bei CT–Untersuchungen des Thorax diagnostiziert wurden.
Eine Verschleppung des Zements entlang des Zugangsweges tritt bei ungenügender Entleerung der Vertebroplastie-Nadel vor ihrer Entfernung auf. Das Risiko eines Zementaustritts in die umgebenden Strukturen kann durch die Verwendung röntgendichter Zemente und permanenter Kontrolle der Applikation mittels CT–Fluoroskopie minimiert werden.
Eine vor der Vertebroplastie durchgeführte Venendarstellung, die von verschiedenen Autoren empfohlen wird, um ein Austreten des Zements in die umgebenden Gefäße zu vermeiden, wird in der Literatur sehr kontrovers diskutiert. Aktuelle Studien zeigen jedoch einen Trend gegen eine der Vertebroplastie vorgeschaltete Venographie. Die kontroverse Haltung zur präinterventionellen Venendarstellung begründet sich durch die unterschiedliche Viskosität des Zements und des Röntgenkontrastmittels und ihren damit unterschiedlichen Fließeigenschaften und Verteilungsmustern. Außerdem wird das applizierte Kontrastmittel häufig zu langsam ausgewaschen und kann zu unerwünschten Reaktionen mit dem Knochenzement führen. Darüber hinaus lässt sich die Verteilung des Zements bei einer langsamen, dosierten Applikation unter CT-Durchleuchtungskontrolle gut überwachen. Ergibt sich auch nur der Verdacht eines Zementaustritts aus dem Wirbelkörper wird die Zementeinbringung durch Druckentlastung des Applikatorsystems augenblicklich gestoppt.Weitere Komplikationen umfassen Infektionen, die bei unerkannten Septikämien auftreten können. Verschiedenen Autoren proklamieren daher – ähnlich wie bei knochenchirurgischen Eingriffen – eine prophylaktische, periinterventionelle Antibiotikagabe.
Bei der Durchführung der Vertebroplastie im Bereich der Brustwirbelsäule kann es auf Grund der Nähe zur Lunge in seltenen Fällen zu einem Lungenkollaps (Pneumothorax) kommen. Auch hier bietet die CT-Durchleuchtung mit Ihrer hervorragenden Übersicht und hohen Ortsauflösung ein sicheres Verfahren zur Meidung von Risikostrukturen. Ein Pneumothorax ist in dieser Situation keine lebensbedrohliche Situation, erholt sich bei geringem Ausmaß selbstständig, oder kann bei Beschwerden durch eine Drainage in selber Sitzung behandelt werden. Diese Drainage verbleibt im Regelfall einige Tage und erfordert dann leider einen prolongierten Krankenhausaufenthalt. Allergische oder hypertensive Reaktionen, die vom Zement ausgelöst werden können, sind aufgrund der geringen Menge an appliziertem Zement sehr viel seltener als bei orthopädischen Eingriffen, bei denen sehr viel größere Mengen verwendet werden.
Zusätzlich muss der Patient über die Möglichkeit eines durch periinterventionelle Komplikationen erforderlichen chirurgischen Eingriffs informiert werden.
Ist die Behandlung schmerzhaft?
Wir achten darauf, dass der Patient für die gesamte Dauer der Behandlung bequem und damit ruhig liegen kann. Während der Behandlung wird eine Kontrolle der Vitalparameter des Patienten (Puls, Blutdruck) in regelmäßigen Abständen durchgeführt und auch dokumentiert. Jeder Patient verfügt über einen periphervenösen Zugang, falls Infusionen oder Medikamente während des Eingriffs verabreicht werden müssen. Im Bereich des Zugangsweges wird ein Lokalanästhetikum in die Haut, das Unterhautfettgewebe und an die Knochenhaut (Periost) gespritzt. Unter dieser Medikation erfolgt der Eingriff in der Regel schmerzfrei. Durch die geringeren Erschütterungen des schmerzhaften Wirbelkörpers beim Einbringen der Nadel werden gelegentlich Schmerzen durch die Patienten geschildert. Die Positionierung der Nadel im Zielgebiet durch einen erfahrenen Interventionalisten erfolgt jedoch in sehr kurzer Zeit, so dass im Regelfall auf eine Analgosedierung verzichtet werden kann. Sollte Sie dennoch erwünscht werden, kann sie unter ständiger Kontrolle der Vitalparameter angeboten werden.
Wie lange dauert die Behandlung?
Nach einem erneuten ausführlichen Aufklärungsgespräch und Eingehen auf evtl. verbliebene Fragen wird eine Planungsuntersuchung in der CT durchgeführt. Anschließend werden die Bilddaten analysiert und der beste Zugangsweg zum schmerzhaften Wirbelköper festgelegt. Nach einer gründlichen Hautdesinfektion, sterilem Abdecken und Lokalanästhesie erfolgt der eigentliche Eingriff. Das Einbringen der Hohlnadel erfordert bei einem erfahrenen Interventionalisten abhängig von der Lokalisation nur wenige Minuten. Erst wenn die Nadel im vorderen Drittel des Wirbelkörpers positioniert ist, wird mit der Vorbereitung des Zements begonnen. Da die Polymerisation des Zementes (Abbinden) bei Körpertemperatur innerhalb weniger Minuten stattfindet, ist die Dauer der Zementeinbringung zwangsläufig begrenzt. Nach der Implantation des Zements wird noch eine Kontrolluntersuchung über den therapierten Wirbelköper zur Erfolgsbeurteilung und zum Ausschluss lokaler Komplikationen durchgeführt. Alles in allem ist somit eine Behandlungsdauer von ca. 45 – 60 min. bei uns im Institut realistisch.
Wie ist der Behandlungserfolg der Vertebroplastie?
Die bisher veröffentlichte Ergebnisse zur perkutanen Vertebroplastie sind überaus positiv. Nahezu alle Autoren beschreiben eine deutliche Schmerzreduktion unmittelbar nach der Behandlung und im weiteren zeitlichen Verlauf eine Schmerzreduktion von bis zu 90 %. Eine von uns erst kürzlich mit einem standardisierten Fragebogen durchgeführte Evaluation aller an unsrem Institut im Jahr 2002 behandelten Patienten, bestätigte unter anderem auch die Ergebnisse anderer Autoren im Hinblick auf die Schmerzreduktion nach Intervention.
Neben dem subjektiven Empfinden des verringerten Schmerzes lässt sich der Effekt der Vertebroplastie daran erkennen, dass die Patienten nach der Behandlung die Dosis bzw. die Stärke der analgetischen Medikamente deutlich reduzieren können, ein Ergebnis das wir bestätigen können.
Abgesehen von Punktions-bedingten Komplikationen, stellt insbesondere der paravertebrale Zementaustritt in umgebende Strukturen, im Sinne intraspinaler und intraforaminaler Leckagen eine gefürchtete Komplikation dar, da dann meist eine operative Dekompression erforderlich ist. Leckagen in die paravertebralen und epiduralen Venen, das umgebende Weichteil und in die angrenzenden Bandscheiben werden von verschiedenen Autoren als klinisch inapparent beschrieben. Insgesamt ist die Komplikationsrate sehr gering. In der Literatur existieren lediglich wenige Fallbeschreibungen schwerer Komplikationen.
Wie gestaltet sich die Nachsorge?
Der Patient sollte im Anschluss an die Intervention Bettruhe einhalten, deren Dauer vom verwendeten Zement, den verabreichten Medikamenten und der Lokalisation und Ausprägung der behandelten Pathologie abhängt. Die Bettruhe sollte jedoch mindestens für die Zeit der Zementaushärtung eingehalten werden, wobei in der Regel etwa eine Stunde ausreichend ist.
Um den Erfolg der Behandlung Beurteilen zu können und etwaige Komplikationen sofort zu erkennen empfehlen wir einen eintägigen stationären Aufenthalt. Wiederholte Kontrollen der Schmerzsituation und ggf. des neurologischen Status des Patienten sollten in der Zeit nach der Behandlung durchgeführt und dokumentiert werden. Dies kann auch durch den betreuenden niedergelassenen Kollegen geschehen.
Bei neu auftretenden Beschwerden auf Grund eines weiteren frakturierten Wirbelköpers in einer anderen Höhenlokalisation ist nach erneuter Prüfung eine Wiederholung der Vertebroplastie möglich. In einer Sitzung können bis zu drei betroffene Wirbelköper mit dieser Methode behandelt werden.
Wie kontaktieren Sie uns ?
Zur Begutachtung Ihres Falles schicken Sie uns bitte
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einen ausführlichen Bericht Ihres behandelnden Arztes mit der Schilderung Ihrer Beschwerden und Angabe bisher bereits durchgeführter Therapiemaßnahmen. Weiterhin Darlegung relevanter Vor- und Begleiterkrankungen
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eine aktuelle Knochendichtemessung
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eine aktuelle CT-Untersuchung (Computertomographie) des betroffenen Skelettabschnittes in Knochentechnik
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insbesondere bei bekannter maligner Grunderkrankung oder bei Schwierigkeiten in der Unterscheidung zwischen einer osteoporotischen Fraktur und einer Fraktur aufgrund eines malignen Prozesses, ist eine MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomographie) erforderlich
-
und einen Überweisungsschein (?Vertebroplastie möglich??)
an folgende Adresse:
Institut für Klinische Radiologie
Klinikum der Universität München – Standort Großhadern
- Sekretariat Röntgen B -
Marchioninistraße 15
81377 München
Tel.: +49 (089) 7095-3620
Fax: +49 (089) 7095-8832
Nach Eingang Ihrer medizinischen Unterlagen werden diese von uns sorgfältig geprüft und Ihnen zeitnah mitgeteilt, ob die Vertebroplastie für Sie in Frage kommt.
Bildbeispiele:

Abbildung 1 a-b: Patienten mit schmerzhafter, osteoporotischer Wirbelkörperfraktur des thorako-lumbalen Übergangs. Durch den konservativen Therapieansatz keine wesentliche Schmerzerleichterung. Computertomographische Untersuchung in Knochentechnik mit Abbildung des frakturierten Wirbelkörpers in sagitaler (a) und koronarer (b) Ansicht.

Abbildung 2 a-f: Während des Eingriffs zeigen die Bilder unter CT-Fluoroskopie das Einbringen der Hohlnadel in das ventrale Drittel des betroffenen Wirbelkörpers (a-c). Anschließend kontrollierte Zementeinbringung unter "Online"-Bildkontrolle mit sichtbarer Ausbreitung des Zements über 2/3 des Wirbelkörpers (d-f). Kein Hinweis für eine Leckage in den Spinalkanal, das Bandscheibenfach oder ins Weichgewebe neben der Wirbelsäule.

Abbildung 3 a-d: CT-Kontrolluntersuchung nach durchgeführter Vertebroplastie. Es zeigt sich in den sagitalen (a+c), coronaren (b) und axialen (d) Schichten eine hervorragende Auffüllung des schmerzhaften Wirbelkörpers. Auch hier bietet sich kein Hinweis für eine Leckage des Zements außerhalb des Wirbelkörpers. Die Patientin schilderte schon wenige Minuten nach der Intervention eine deutliche Linderung Ihrer Schmerzsymptomatik.

Abbildung 4 a-d: CT-Untersuchung in Knochentechnik vor Vertebroplastie. Die Untersuchung zeigt eine ausgedehnte knöcherne, osteolytische Destruktion eines Brustwirbelkörpers durch metastatischen Befall bei bekanntem Lymphom (bösartige Erkrankung). Darstellung der osteolytischen Metastase in
axialer (a), sagitaler (b) und coronarer (c-d) Schichtführung.
Der Patient beschreibt eine ausgeprägte Schmerzsymptomatik im befallenen Wirbelkörpersegment.
Neben den Schmerzen rechtfertigt die drohende Frakturgefahr die Durchführung der Vertebroplastie zur Stabilisierung des Wirbelkörpers.

Abbildung 5 a-c: Während der Intervention dokumentieren die unter CT-Fluoroskopie akquirierten Bilder das Einbringen der Hohlnadel in den zerstörten Anteil des betroffenen Wirbelkörpers (a-c). Anschließend kontrollierte Zementeinbringung unter "Online"-Bildkontrolle mit sichtbarer Ausbreitung des Zements im Bereich der osteolytischen Metastase (a-c). Kein Hinweis für eine Leckage in den Spinalkanal, das Bandscheibenfach oder ins Weichgewebe neben der Wirbelsäule.

Abbildung 6 a-d: CT-Kontrolluntersuchung nach durchgeführter Vertebroplastie. Es zeigt sich in den axialen (a), sagitalen (b) und coronaren (c-d) Schichten eine hervorragende Auffüllung des knöchernen Defektes im Bereich des Wirbelkörpers. Auch hier bietet sich kein Hinweis für eine Leckage des Zements außerhalb des Wirbelkörpers. Der Patient benötigt in den nächsten Tagen auf Grund rückläufiger Schmerzsymptomatik eine deutlich reduzierte Dosierung seiner Schmerzmedikamente. Weiterhin ist die Frakturgefahr dieses teilweise zerstörten Wirbelkörpers deutlich gemindert.
Links
http://www.chirurgie-ohne-messer.de
http://www.mayoclinic.org/vertebroplasty-rst/
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