Das konventionelle Röntgen
Synonyme
* konventionelle Radiographie
* Röntgenstrahlen - ionisierende Strahlung
* Digitale Radiographie
Röntgengeräte
* Rasterwandgerät
* Raum 4 Siregraph
* Thoramat
Was versteht man unter "Röntgen"?
Mit "Röntgen" bezeichnet man gemeinhin den Einsatz von ionisierenden Strahlen für die Diagnosefindung in der Medizin.
Dazu wird von einer Strahlenquelle aus (in der Regel ist das die Röntgenröhre) unter bestimmten Bedingungen eine kurze, momentane Strahlung ausgesendet, die im Bereich von Millisekunden liegt. Die Strahlen treten durch den Körper hindurch, treten auf der Gegenseite des Objektes aus und führen zu einer Abbildung des Objektes auf einem Film Nach der ursprünglichen Methode wird der Film durch die auftreffenden Röntgenstrahlen in seinen chemischen Eigenschaften so verändert, dass nach einer speziellen Entwicklung des belichteten Röntgenfilmes ein Bild entsteht, ein "Röntgenbild".
Was kann man sinnvollerweise röntgen?
Die Abbildung eines Körpers oder Objektes mit Röntgenstrahlen beruht im wesentlichen auf der Gewebezusammensetzung des Körpers. Dichte Strukturen wie Knochen können mit einer konventionellen Röntgenaufnahme besonders gut abgebildet werden. Deshalb werden Fragen nach einer Verletzung oder Erkrankung des Knochens in erster Linie mit einem konventionellen Röntgenbild abgeklärt, z.B. ein Knochenbruch.
Wenn man die Aufnahmebedingungen ändert, können auch andere Gewebe wie die Brustdrüse (Mammographie), die Lungen oder das Herz (Thoraxaufnahme) gut abgebildet werden.
Weniger gut geeignet ist die konventionelle Röntgenaufnahme in der Darstellung von anderen Gewebearten wie Sehnen, Bänder und Kapseln an Gelenken oder soliden Organen wie Leber, Milz oder Nieren. Bei speziellen Fragestellungen, z.B. krankhaften Verkalkungen wie Nieren- oder Gallensteinen, kann eine Röntgenaufnahme jedoch auch bei diesen Organen sinnvoll und hilfreich sein.
Hohlorgane wie Speiseröhre, Magen, Dünndarm, Dickdarm oder Harnblase können alleine mit einer einzelnen konventionellen Röntgenaufnahme schlecht erfasst werden. Für ihre Darstellung werden sogenannte Kontrastmittel zu Hilfe genommen. (siehe Durchleuchtungs-Untersuchung).
Von den zahlreichen Anwendungen der Röntgenaufnahme in den verschiedenen Bereichen des Körpers können hier nur einige beispielhaft genannt werden.
Ablauf einer Röntgenuntersuchung
Nach Betreten des Röntgenraumes wird der Patient gebeten, die Körperregion, die zu röntgen ist, vollständig frei zu machen. Schmuck und Kleidungsstücke sollten abgelegt werden, wenn sie die entsprechende Region bedecken. Vor jeder Röntgenuntersuchung wird ein Röntgenschutz aus Blei um die Hüften und Becken angelegt. Daraufhin wird der Patient bzw. das betreffende Körperteil für die Aufnahme in eine bestimmte Stellung gebracht, d.h. zwischen der Röntgenfilmplatte (Kassette) und der Röntgenröhre positioniert.
Ähnlich wie bei einer statischen Photographie ist es auch bei einer Röntgenaufnahme besonders wichtig, dass sich das Objekt, das abgebildet werden soll, nicht bewegt. Bewegung führt in diesem Fall zu einer nicht gewünschten Unschärfe und kann dadurch die Qualität der Diagnose bedeutend einschränken und unter Umständen zu Fehleinschätzungen führen. Deshalb wird der Patient bei fast allen Röntgenuntersuchungen gebeten, für den Moment der Aufnahme nicht zu atmen und sich nicht zu bewegen.
Um aus dem Röntgenbild eine möglichst hohe diagnostische Sicherheit zu erzielen, muss man von dem Organ oder Körperteil, das dargestellt werden soll, meistens zwei Aufnahmen anfertigen, nämlich aus zwei verschiedenen Richtungen, also "in zwei Ebenen". Nur in wenigen Fällen ist eine einzige "Ebene" ausreichend. Manchmal kann auch eine dritte oder vierte zusätzliche Aufnahme notwendig werden. Durch diese sogenannten Spezialaufnahmen kann dann ein noch ungeklärter Aspekt besonders deutlich herausgearbeitet werden.
Vorbereitung
Für eine einfache konventionelle Röntgenaufnahme bedarf es in der Regel keiner speziellen Vorbereitung. Für Aufnahmen am knöchernen Skelett und der Lungen ist es nicht nötig, nüchtern zu sein. Für bestimmte Untersuchungen der Nierenfunktion mit Kontrastmittel sollte der Patient seit dem Vorabend nüchtern und mit einem speziellen entblähenden Medikament (z.B. SAB simplex® )vorbereitet sein.
Indikationen für eine Röntgenaufnahme
Skelettaufnahmen
Obere Extremität: Finger, Hand, Handgelenk, Ellbogen, Schulter
Untere Extremität: Fuß, Sprunggelenk, Kniegelenk, Hüftgelenk
* Knochenbrüche nach Sturz, Verletzung, Schlag oder Fremdeinwirkung
* Knochenbruchheilung im zeitlichen Verlauf
* Stellungskontrollen nach Gips und chirurgischer Behandlung mit Metall (Platten, Schrauben, Implantate, Prothesen)
* Luxationen und Fehlstellungen der Gelenke ("Auskugelungen")
* krankhafte degenerative Veränderungen, Arthrose ("Abnutzungserscheinungen")
* entzündliche Veränderungen des Knochens (Osteomyelitis)
* rheumatische Veränderungen
* Stoffwechselerkrankungen des Knochens (Osteoporose u.a.)
* Gutartige Knochenveränderungen (Zysten, Ganglien, Knochennekrosen)
* Bösartige Knochenerkrankungen: Tumore und Metastasen
* Fehlbildungen
Becken und Wirbelsäule
* Knochenbrüche nach Traumen, Stürze, Verkehrsunfall
* Stoffwechselerkrankungen des Knochens (Osteoporose u.a.)
* krankhafte degenerative Veränderungen, Arthrose ("Abnutzungserscheinungen)
* entzündliche Veränderungen des Knochens (Osteomyelitis, Spondylodiszitis)
* Fehlhaltungen und Fehlbildungen
Schädel und Nasennebenhöhlen, knöcherne Anteile des Gehörs
* Knochenbruch der Schädelkalotte oder des Gesichtsschädels nach schweren Traumen oder Gewalteinwirkung
* Entzündungen der Nasennebenhöhlen
* Knöcherne Beteiligung bei Mittelohrentzündungen
* Missbildungen
Abdomenübersichtsaufnahme (Aufnahme des Bauches)
* Durchbruch von Magen oder Darm (freie abdominelle Luft)
* Darmverschlingungen und Störung der Darmdurchgängigkeit
* Nierensteine und Harnleitersteine
* Nierenfunktionsstörungen und Harnabflussstörungen (mit Kontrastmittel)
Thoraxaufnahme oder Lungenaufnahme
* Alle Erkrankungen der Lunge und der Bronchien
* Lungenentzündung und Tuberkulose
* chronische Bronchitis
* Emphysem
* Lungenfibrose
* Tumore und Metastasen
* Erkrankungen des Herzens
* Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit Flüssigkeitseinlagerungen in Lunge und Rippfell (Lungenödem, Pleuraerguss)
* Herzschrittmacher und ihre Lagebeziehungen
Häufig gestellte Fragen
Werden die Röntgenstrahlen im Körper gespeichert?
Röntgenstrahlen werden nicht gespeichert. Sie treten durch ein Objekt hindurch und werden von ihm abgelenkt oder geschwächt, sie verbleiben jedoch nicht in dem entsprechenden Objekt. Das entsprechende Objekt wird durch eine Röntgenaufnahme auch nicht selbst radioaktiv. Es entstehen keine schädigenden Wirkungen auf Kontaktpersonen.
Wie schädlich ist eine Röntgenaufnahme?
Alle diagnostischen konventionellen Röntgenuntersuchungen liegen unabhängig von der Körperregion in einem unbedenklichen Dosisbereich. Auch mehrfache Untersuchungen über das Jahr verteilt gelten als unbedenklich. Bei starker Häufung (z.B. über Jahre hinweg mehrere Male pro Monat) muss das Risiko meist individuell eingeschätzt werden abhängig von der untersuchten Region und der medizinischen Notwendigkeit.
Wie entsteht ein Schaden durch Röntgenstrahlen im Körper?
Körperliche Schäden durch ionisierende Strahlung können auf zweierlei Art und Weise entstehen. Die sogenannte "deterministische Strahlenwirkung" führt zum Absterben und Inaktivieren von Zellen. Sie entstehen nur bei einer sehr hohen Strahlendosis. Solche hohen Dosiswerte kommen in der Medizin nur bei einer Strahlentherapie von Tumoren zustande und sind dort beabsichtigt. In der konventionellen Radiographie werden solche Werte bei weitem nicht erreicht. Sie liegen weit darunter und meistens sogar niedriger, als die Werte für die jährliche natürliche Strahlenexposition durch Strahlung von der Erde oder aus dem All. Die "stochastische Strahlenwirkung" besteht darin, dass ionisierende Strahlen zu einer Veränderung im Erbgut führen können. Der Körper kann solche Veränderungen im Erbgut zum Teil beheben und reparieren. Diese stochastischen Schäden sind jedoch nicht von einer bestimmten Dosis abhängig und können nicht vermieden werden. Sie können bei jeder Form von ionisierender Strahlung entstehen, auch durch die natürliche Strahlenexposition durch Erdstrahlung (sog. terrestrische Strahlung) oder kosmische Strahlung.
Welche Organe sind besonders gefährdet durch Röntgenstrahlen?
In unserem Körper gibt es Organe und Gewebe, die besonders strahlenempfindlich sind. Das sind vor allem solche Organe, die eine hohe Zellteilungsrate haben. Dazu gehören das blutbildende Knochenmark, die Keimdrüsen (Eierstock und Hoden), die Schilddrüse, die Brustdrüse und die Augenlinse. Vor allem die Keimdrüsen müssen nach Möglichkeit bei jeder konventionellen Röntgenaufnahme geschützt werden. Dazu wird vor der Röntgenaufnahme ein Bleiumhang als Schutz angelegt.
Man kann sagen, dass die Strahlenbelastung durch eine konventionelle Röntgenuntersuchung abhängig von der Körperregion in den meisten Fällen vernachlässigbar gering ist.
Weitere Informationen zum Thema Strahlenbelastung und Umwelt sowie Strahlenbelastung in der Medizin liefert das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in München auch im Internet unter der Adresse http://www.bfs.de/service/faq/index.htm
Ich bin schwanger, darf ich überhaupt geröntgt werden?
Bei einer bestehenden Schwangerschaft sollte man grundsätzlich überdenken, ob eine Röntgenaufnahme notwendig ist. Die Entscheidung trifft der Arzt zusammen mit der Patientin, die nach einer ausführlichen Information und Aufklärung auch mit einer Unterschrift zustimmen soll.
Für die Entscheidung ist vor allem der Zeitpunkt der Schwangerschaft und die Art der Röntgenuntersuchung (also welche Körperregion untersucht werden soll) ausschlaggebend. Vor allem in der 2. bis 15. Schwangerschaftswoche, in der Organe und das zentrale Nervensystem geformt werden, ist der Embryo besonders verletzlich. Zu einem späteren Zeitpunkt sind Schädigungen unwahrscheinlich.
Grundsätzlich wird - wie immer bei Röntgenaufnahmen - ein besonderer Bleischutz um Bauch und Becken der Patientin angelegt. Bei Aufnahmen der Hand, der Arme, des Fußes, der Sprunggelenke oder des Knies ist die Strahlenbelastung besonders gering, da auch das geröntgte Objekt in der Regel relativ schlank ist. Hier kann in den meisten Fällen eine Aufnahme trotz bestehender Schwangerschaft unter Berücksichtigung des Obengenannten als unbedenklich gelten. Bei Aufnahmen der Brust, des Bauches oder der Wirbelsäule (vor allem der Lendenwirbelsäule) und des Beckens kommt es auf die Art der Verletzung der Patientin an, um zu entscheiden, ob eine Röntgenuntersuchung unumgänglich und notwendig ist, oder eine alternative Methode zur Diagnosefindung zur Verfügung steht.
Gibt es Alternativen zur Röntgenaufnahme bei Schwangerschaft?
Manchmal kann die notwendige Diagnose auch mit Untersuchungsverfahren, die keine Röntgenstrahlen anwenden, geklärt werden wie zum Beispiel mit der Kernspintomographie (=Magnetresonanztomographie oder MRT). Besteht eine besondere Gefahr für Leib und Leben der Mutter, so sind Röntgenaufnahmen zur schnellen Sicherung einer Diagnose gerechtfertigt, um schnell eine geeignete Therapie einleiten zu können.
Ich bin unwissentlich während einer Schwangerschaft geröntgt worden. Was nun?
Das individuelle Risiko muss jeweils der Arzt in der speziellen Situation abschätzen. Ein Schwangerschaftsabbruch nach einer konventionellen Röntgenuntersuchung ist nicht gerechtfertigt.
Haben Sie die modernste Ausstattung?
Modernes Röntgen – digitale Radiographie
Die Röntgengeräte der modernsten Generation, wie sie auch in unserem Radiologischen Institut im Klinikum Grosshadern vorhanden sind, haben besondere, neue Eigenschaften, die zum einen eine Strahlendosisreduktion ermöglichen und zum anderen eine besonders gute Bildqualität liefern. Diese neue Technologie, die digitale Radiographie, beinhaltet, dass nicht mehr der Röntgenfilm, sondern spezielle Folien oder vollelektronische Detektoren belichtet werden, die die Information der Röntgenstrahlen digital auswerten können. Dadurch besteht die Möglichkeit, das entstandene Bild noch nachträglich ohne weitere Strahlung zu verbessern, zu optimieren und zu vervielfältigen. Digitale Röntgenbilder werden zentral gespeichert und können deshalb zu gleicher Zeit von mehreren Stellen aus abgerufen werden. Außerdem wird in Zukunft dank der digitalen Radiographie die Möglichkeit bestehen, Bilder auf eine CD oder Computern zu speichern und Daten elektronisch auszutauschen, zum Beispiel um sich mit anderen Experten zu beraten.
Die Einführung der digitalen Radiographie hat nicht nur in unserem Institut den allgemeinen Ablauf und die Qualität verbessert und revolutioniert, sondern bringt vor allem auch für den Patienten viele bedeutende Vorteile.