Startseite » was sind Tumormarker » Bewertung der Ergebnisse

Bewertung der Ergebnisse

  1. Therapiewirksamkeitskontrolle: Durch den Tumormarkerverlauf kann bei den meisten soliden Tumoren frühzeitig entschieden werden, ob der Patient von der Fortführung einer Chemotherapie profitiert beziehungsweise ob bei anhaltender Zunahme der Tumormarkerkonzentration eine Änderung des therapeutischen Konzepts vorgenommen werden muss, oder ob überhaupt auf eine Therapie gänzlich verzichtet werden kann. Bei nicht therapierbaren Tumorpatienten ist eine Tumormarkerbestimmung sinnlos.

  2. Verlaufskontrolle: Die Verlaufskontrolle mittels Tumormarkern gestattet nicht selten die Erkennung von Metastasen und/oder Rezidiven bereits sechs oder mehr Monate vor der klinischen Manifestation. Bei kolorektalen Tumoren weist zum Beispiel CEA bei der Überwachung vermeintlich kurativ operierter Patienten eine höhere Sensitivität auf als Computertomographie, Sonographie oder Endoskopie. Aus der Art der Geschwindigkeit der Tumormarker-Zunahme kann zumeist auch auf die Progression beziehungsweise die Art der Metastasierung geschlossen werden. Aus der Änderung der Tumormarkerkonzentration kann zum Teil auch der Zeitpunkt für weitere eingehenden Untersuchungen festgelegt werden. Bei länger anhaltenden Tumormarkerwerten im niedrigen oder normalen Bereich sind weiterführende Kontrollen mit invasiven – oder mit hohen Kosten verbundenen – Verfahren überflüssig. Dagegen sind solche Verfahren bei ansteigenden Tumormarkerwerten angezeigt, falls mit Feststellung einer Progression therapeutische Konsequenzen verbunden sein sollten.

  3. Tumorrest-Nachweis: Kein oder nur ein geringer Tumormarkerabfall spricht für eine unvollständige Tumorentfernung beziehungsweise für multiple Tumoren mit entsprechenden therapeutischen und prognostischen Konsequenzen. Bei erhöhtem beziehungsweise wieder ansteigendem CA 125 wird man eventuell bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom von einer Zweitoperation absehen und gleich auf eine Secondline-Therapie übergehen, da mit Sicherheit ein Tumorrest angenommen werden kann.

  4. Frühzeitige Erkennung: Der Einsatz von Tumormarkern ermöglicht eine frühzeitige Erkennung von bestimmten Tumoren, wie zum Beispiel die eines primären Leberzellkarzinoms bei Patienten mit Leberzirrhose, eines Prostatakarzinoms bei Patienten mit Prostataadenom oder eines Kolonkarzinoms bei Patienten mit Adenomatosis coli.

  5. Prognosefindung bei bestimmten Tumoren: Wichtig ist auch die mögliche Prognosefindung bei bestimmten Tumoren, und zwar besonders bei denjenigen Tumoren, bei denen die Prognose einen Einfluss auf die Auswahl der therapeutischen Maßnahmen hat, wie etwa beim multiplen Myelom.

Wie die obigen Ausführungen zeigen, können die Tumormarker bei richtiger Anwendung für den Patienten nützlich sein und sogar zur Kostendämpfung beitragen. Bei unkritischer Anwendung führen sie jedoch zu starker Kostensteigerung und rufen bei Patienten starke psychische Schäden hervor. Bei Nichtbeachtung der Bewertungskriterien können sogar medizinische Fehlentscheidungen getroffen werden.