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Qualitätsanforderungen

Der diagnostische Wert eines Tumormarker-Tests ist durch seine Empfindlichkeit und seine Spezifität charakterisiert.

Die Spezifität eines Tumormarkers gibt an, bei wieviel Prozent der Gesunden beziehungsweise von benignen Erkrankungen Betroffenen (Nicht-Tumorkranken) das Testergebnis richtig-negativ ausfällt. Sie ist also um so höher, je niedriger der Prozentsatz falsch-positiver Befunde ist.

Die Sensitivität eines Tumormarkers gibt den Prozentsatz richtig-positiver Ergebnisse bei Vorhandensein eines Tumors an.

Bei Angaben über die diagnostische Spezifität und Empfindlichkeit sind der Einfluss des Tumorstadiums und die Auswahl der Kontrollgruppen von entscheidender Bedeutung. Angaben über die Empfindlichkeit sind nur dann zuverlässige Kriterien, wenn die Stadien einer Krebserkrankung gut definiert sind; Angaben über die Spezifität geben nur dann eine zuverlässige Aussage, wenn die Kontrollgruppe genau charakterisiert ist. Prinzipiell sind bei Publikation neuer Untersuchungsergebnisse nicht nur die Spezifität und Sensitivität, sondern auch die Einzelergebnisse des untersuchten Kollektivs sowie die Klassenprävalenz anzuzeigen.

Sind für einen Tumormarker die Spezifitäten und korrespondierenden Sensitivitäten bei einem bestimmten Karzinom und dem entsprechenden differentialdiagnostisch bedeutsamen Referenzkollektiv errechnet, so kann das daraus resultierende Spezifitäts-Sensitivitätsprofil am besten in Form einer receiver operating characteristic (ROC)-Kurve dargestellt werden. Es wird bei dieser Kurve die Spezifität gegenüber der Sensitivität aufgetragen. Je mehr sich der Kurvenverlauf der linken oberen Ecke des Quadrates annähert (Sensitivität 100 Prozent bei 100 prozentiger Spezifität) um so besser ist das Diskriminanzvermögen zwischen der untersuchten malignen Erkrankung gegenüber dem gewählten benignen Referenzkollektiv.

Der sogenannte "Cut-off" bezeichnet den angenommenen oberen Grenzwert eines Tumormarkers bei gesunden Personen beziehungsweise bei benignen Erkrankungen. Die Festlegeung dieses Cut-off bestimmt in Abhängikeit von der Spezifität eines Markers dessen Sensitivität. Der Cut-off oder Grenzwert ist keine starre Grenze und kann je nach der Intention verändert werden. Will man zum Beispiel möglichst viele Tumorpatienten erfassen, sollte der Grenzwert eher tiefer angesetzt werden. Man nimmt dafür allerdings zwangsläufig eine erhöhte Rate falsch-positiver Ergebnisse in Kauf.

Will man dagegen sichergehen, dass ein positives Testergebnis mit größter Wahrscheinlichkeit einen Tumor bedeutet, so ist der Grenzwert entsprechend hoch festzusetzen. In diesem Falle erhält man relativ viele falsch-negative Ergebnisse.

Hieraus geht hervor, dass die diagnostische Wertigkeit von Tumormarkern in hohem Maße von der Feststellung des Cut-offs abhängig ist. Um Datenmaterial besser vergleichen zu können, wäre es wünschenswert, wenn alle Angaben zur Sensitivität eines Tumormarkers auf einen Cut-off bezogen werden, bei dem eine 95 Prozentige Spezifität gegenüber gesunden Personen und benignen Erkrankungen vorliegt.

Für die Brauchbarkeit eines Tumormarkers-Testes in der Diagnostik sind weiterhin die prädiktiven Werte, das heißt Vorhersagewerte, von Bedeutung. Hierbei unterscheidet man einen positiven und einen negativen prädiktiven Wert. Der positive Vorhersagewert sagt aus, mit welcher Wahrscheinlichkeit innerhalb einer gemischten Kontrollgruppe bei positivem Testergebnis ein Tumor vorliegt. Der negative Vorhersagewert bezieht sich auf die Tumorfreiheit, also die Wahrscheinlichkeit, bei einem negativen Testergebnis keinen Tumor zu haben. Die Spezifitäts- und Sensitivitätswerte beziehen sich auf ein homogenes Kollektiv, während die Vorhersagewerte auf einem gemischten Kollektiv beruhen. Hierbei ist wiederum die Prävalenz eines Karzinoms eine wesentliche Einflussgröße, das heißt das Verhältnis Tumorkranker zu Nicht-Tumorkranker in dem zu untersuchenden Patientenkollektiv.

Für einen "Tumormarker-Test" sind aber nicht nur seine Sensitivität und Spezifität (bei einer Spezifität >95 Prozent soll die Sensitivität mehr als 50 Prozent betragen) sowie sein guter Vorhersagewert wichtig, sondern auch seine methodische Verlässlichkeit, das heißt die geringe methodische Impräzision (Intraassay-Varianz <5 Prozent, Interassay-Varianz <10 Prozent) und die Chargenkonstanz.

Wünschenswert ist bei einem Tumormarker auch seine Korrelation mit der Tumormasse, die ihn für die Prognosefindung brauchbar macht.

Aus der Vielzahl von beschriebenen Tumormarkern haben sich nur einige in der Routine als brauchbar erwiesen, wobei die Bestimmung mehrerer gleichbedeutender Tumormarker sinnlos ist; nur bei eindeutig besserem Sensitivitäts-Spezifitätsprofil sollte ein bewährter Marker durch einen neuen ersetzt werden.