Über uns
Das Kompetenzzentrum „Onkologische Labordiagnostik“ am Institut für Klinische Chemie des Klinikums Großhadern der Universität München beschäftigt sich mit der methodologischen und klinischen Evaluierung sowie auch der Entwicklung neuer Teste in der onkologischen Labordiagnostik parallel zu bereits etablierten Verfahren.Neue Biomarker werden für eine potentielle Anwendung in der Früherkennung, Differentialdiagnose, Beurteilung des Therapieverlaufs, Erkennung von Rezidiverkrankungen und Prognoseabschätzung - insbesondere bei soliden Tumoren - kritisch evaluiert. Zusätzlich werden routinemässig eingesetzte Analyten in bestimmten Intervallen für alte wie neue Indikationen bezüglich ihrer Einsatzmöglichkeiten neu bewertet.
Um den hohen Anforderungen in der klinischen Routine gerecht zu werden, werden dabei neue Verfahren einer umfangreichen Prüfung gemäß den Richtlinien der European Group on Tumour Markers (EGTM) unterzogen, welche durch die Arbeitsgruppe maßgeblich mitgestaltet wurden und in internationale Richtlinien zur Bewertung onkologischer Biomarker Eingang gefunden haben (National Academy of Clinical Biochemistry, NACB).
Funktionstüchtigkeit und Effizienz dieses Kompetenzzentrums beruht auf dem komplexen Zusammenspiel dreier unterschiedlicher, miteinander vernetzter Datenbanken:
Basis der schnellen und aussagekräftigen Bewertung eines Markers an großen Fallzahlen ist eine umfangreiche Serathek, die derzeit in ihrer Zusammensetzung, Logistik sowie Grösse weltweit einzigartig ist. Zur sinnvollen Nutzung der bei –80°C gelagerten Proben der Serathek stehen äußerst zuverlässige und saubere klinische Daten zur Verfügung, die in einer klinischen Datenbank in detaillierter Form dokumentiert sind. Parallel hierzu stehen in einer Befunddatenbank zu jeder einzelnen Probe alle Laborparameter online zur Verfügung, die zu diesem Zeitpunkt routine- oder forschungsmässig vermessen wurden. Auf diese Weise können in kürzester Zeit neue Parameter mit alten vernetzt werden und in bestehende diagnostische Strategien der Kliniken eingebunden werden.
An jede medizinische Fragestellung angepasste und somit kontinuierlich in Entwicklung befindliche Rechenprogramme bis hin zur multiparametrischen Bewertung von Freisetzungsmustern unterschiedlicher Proteine für die diagnostische und prognostische Anwendung (Proteomics) stehen zur Verfügung.
Seit Jahren hat sich diese EDV-gestützte Proben- und Datenbank in ihrer Effektivität bewährt. In der Wissenschaft beschriebene neue Biomarker können in enger Kooperation mit den jeweiligen Kliniken der Universität München binnen kürzester Zeit auf ihren realen Stellenwert hin überprüft und in Publikationen beschrieben werden. Neue wichtige Parameter aus der Proteomics-, Genomics-, Metabolics- und Translationalen Forschung können bei gegebener klinischer Relevanz sofort in die Routinediagnostik integriert werden, daher profitieren Ärzte und Patienten von onkologischer Labordiagnostik auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft.
Darüberhinaus kann durch Einsatz der Probenbank aber auch verhindert werden, dass unnötige, teils kostenintensive Untersuchungsmethoden Einzug in die Routineversorgung finden.
Die seit Gründung des Instituts für Klinische Chemie bestehende Befunddatenbank in Kombination mit der klinischen Datenbank ermöglicht – mit oder ohne Einbeziehung der Probenbank – eine kontinuierliche Überprüfung des bereits bekannten diagnostischen, prognostischen, prädiktiven uvm. Stellenwertes bekannter Laborkenngrößen und ermöglicht binnen kurzer Zeit die Evaluierung neu auftretender klinischer Fragestellungen. Von besonderer Wichtigkeit ist hier die zunehmend bedeutsame Multiparameteranalyse, in der klassische klinisch chemische Kenngrößen zusammen mit neu hinzugekommenen Kenngrößen und mit klinischen Variablen zu einem diagnostischen Score kombiniert werden.
Das Kompetenzzentrum ist in vielfältige internationale Kooperationsprojekte eingebunden und gilt als „Center of Excellence“ für den Bereich der onkologischen Biomarker. Die Leiterin Petra Stieber ist im Board der European Group on Tumour Markers (EGTM) und Präsidentin der International Society of Oncology and Biomarkers (ISOBM). Im Rahmen dieser Organisationen werden multizentrische Projekte zur Diagnose, Prognose und zum Therapiemonitoring beim Lungenkarzinom, Mammakarzinom, Ovarialkarzinom, Pankreaskarzinom und kolorektalen Karzinom durchgeführt. Da alle Projekte in enger interdisziplinärer Kooperation mit Kollegen der verschiedenen diagnostischen und therapeutischen Einheiten durchgeführt werden, ist der Weg von neuesten Forschungsergebnissen bis zur Umsetzung in die klinische Praxis und damit in eine Patientenversorgung auf hohem Niveau gut zu beschreiben.
Dr. med. Petra Stieber
Leiterin des Kompetenzzentrums