Karzinome des HNO-Trakts

 

Die Malignome des Kopf-Halsbereichs liegen mit einer Inzidenz von 25/100.000  bei Männern zusammen mit dem Harnblasenkarzinom an vierthäufigster Stelle der Tumorerkrankungen, bei Frauen ist die Inzidenz 7/100.000. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 58 Jahren, für Frauen bei 60 Jahren. Bei den Tumoren des HNO-Bereiches handelt es sich zumeist um Plattenepithelkarzinome (90%), ansonsten um Adeno- oder adenosquamöse Karzinome.

Welche Tumormarker sind bei HNO-Karzinomen relevant

Von den serologischen Tumormarkern haben bei HNO-Tumoren das Squamous Cell Carcinoma Antigen SCCA, das karzinoembryonale Antigen CEA  und der Zytokeratinmarker CYFRA 21-1 Bedeutung erlangt, wobei bislang die kombinierte Bestimmung von SCCA und CEA das beste Sensitivitäts-Spezifitätsprofil erbrachte.

Wann sind Tumormarker bei HNO-Karzinomen relevant

Serologische Tumormarker bei HNO-Tumoren sind weder ausreichend spezifisch noch sensitiv für diagnostische Zwecke, also für Screening-Untersuchungen nicht indiziert. Ihre Bedeutung liegt jedoch in der Einengung des möglichen histologischen Typs, der Definition des Ausmaßes der Erkrankung und damit der Prognose sowie der Therapie-Response-Überwachung und Hinweisen auf ein Rezidiv oder Metastasen.
Die SCC-Freisetzung steht in enger Korrelation zum Tumorstadium (Tabelle: Sensitivitäten [%] von CEA, SCC und CYFRA 21-1 beim HNO-Karzinom). und Therapieerfolg, bei Sensitivitätsraten von 40-55% zum Zeitpunkt der Primärdiagnose und bis über 75% bei Rezidivierung. Als Zeitrahmen vom ersten SCC-Anstieg bis zur klinischen Manifestation des Rezidivs werden 4-6 Monate beschrieben (sog. lead-time). CEA hat eine wesentlich geringere Sensitivität als SCC in Primärdiagnose und Rezidivierung, die Kombination beider Marker entdeckt aber ein Rezidiv in 87% der Fälle.
Steigt die Tumormarkerkonzentration während einer Nachsorgeuntersuchung (nach zunächst erfolgreicher Tumoreliminierung oder –reduzierung) wieder an (ca. 100%, falls keine Einfluss- oder Störgrößen vorhanden sind), so besteht ein starker Verdacht auf Rezidiv oder Progression des Tumorleidens und es sollte weitere endoskopische und bildgebende Diagnostik zur Rezidivtumorsuche eingeleitet werden, um Prognose und therapeutische Optionen abschätzen zu können.

 

Literatur:

  1. Stieber P., Grosskopf J., Behbehani A., Fateh-Mogadam A., Significance of SCC and CEA in diagnosis and follow-up care of ENT-squamous cell carcinomas. In: tumor associated antigens, oncogenes, receptors, cytokines in tumor diagnosis and therapy . Hrsg. Klapdor R., Zuckschwerdt Verlag München: 3-6, 1992

  2. Arlt A, Luckhaupt H, Hildmann H (2000) Diagnostik von Kopf-Hals-Karzinom-Rezidiven mit dem Tumormarker SCC-Antigen. Laryngo-Rhino-Otol. 79:207-212

  3. Wollenberg B., v.Jan N., Schmitt, U., Hofmann, Stieber P., Fateh-Moghadam A.: CYFRA 21.-1 is not superior to SCC antigen and CEA in head and neck squamous cell cancer. Anticancer research 16: 3117-3124 (1996)

  4. Kuropkat C, Lippert BM, Werner JA.: Follow-up with serum CYFRA 21-1 in patients with squamous cell carcinomas of the head and neck. Oncology. 2002;63(3):280-5