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Messinstrumente

...für die Hausarztpraxis

Bevor Messinstrumente in der hausärztlichen Versorgung eingesetzt werden können, müssen sie auf die Genauigkeit und Sicherheit in diesem Kontext geprüft werden, damit sie z.B. nicht zu falschen Ergebnissen führen. Hier finden Sie eine Auswahl von uns - in der Anwendung in der Hausarztpraxis evaluierten - Messinstrumenten.

 

Bindungsstile: Der ECR-RD 12 - Experience of Close Relationships-Revised

Die Bindungstheorie kann u.a. eine als Erklärungsperspektive für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Erkrankungen sowie der Arzt-Patient Beziehung herangezogen werden. Der Experience of Close Relationships-Revised (ECR-R) ist ein international etabliertes Instrument zur Erfassung von partnerschaftsbezogener Bindung (Fraley 2000). Die deutschsprachige Version ECR-RD (Ehrenthal 2009) umfasst 36 Items und wurde bereits an einer klinischen und nicht-klinischen Stichprobe evaluiert, wobei die guten psychometrischen Eigenschaften der Originalversion bestätigt werden konnten. Es wurde eine 12 Items umfassende praktikable Kurzversion für die Primärversorgung entwickelt.

Quelle: Brenk-Franz K, Ehrenthal J, Freund T, Schneider N, Strauß B, Tiesler F, Schauenburg H, Gensichen J. Evaluation of the short form of "Experience in Close Relationships" (Revised, German Version "ECR-RD12") - A tool to measure adult attachment in primary care. PLoS One. 2018 Jan 23;13(1):e0191254. DOI: 10.1371/journal.pone.0191254. eCollection 2018.

 

Gesundheit und Patientenautonomie: Der HCCQ-D - Health Care Climate Questionnaire

Der Health Care Climate Questionaire (HCCQ) ist ein Instrument zur Erfassung der Atmosphäre der Gesundheitsversorgung sowie der Patientenautonomie in der ärztlichen Beratung (Williams, Grow 1996). Es wurde eine valide deutsche Übersetzung und kulturelle Anpassung des HCCQ für die Primärversorgung bereitgestellt.

Quelle: Schmidt K, Gensichen J, Petersen JJ, Szecsenyi J, Walther M, Williams G, Freund T. Autonomy support in primary care-validation of the German version of the Health Care Climate Questionnaire. J Clin Epidemiol. 2012;65(2):206-11.

 

Patientenaktivierung: Der PAM13-D - Patient Activation Measure

Eine aktive Beteiligung der Patienten ist sowohl bei der Gesundheitsförderung und Prävention als auch bei der Behandlung insbesondere chronischer, aber auch akuter Erkrankungen notwendig und effektiv. Insbesondere in der primärmedizinischen Versorgung spielen eine aktive Beteiligung der Patienten sowie das Selbstmanagement von Gesundheit und Krankheit eine entscheidende Rolle. Die Förderung und Ermöglichung dieser aktiven Beteiligung ist eine der Aufgaben des Hausarztes (Hollnagel 1995). Es wurde eine deutschsprachige Version für die Primärversorgung entwickelt und evaluiert.

Quelle: Brenk-Franz K, Hibbard JH, Herrmann WJ, Freund T, Szecsenyi J, Djalali S, Steurer-Stey C, Sönnichsen A, Tiesler F, Storch M, Schneider N, Gensichen J. Validation of the German Version of the Patient Activation Measure 13 (PAM13-D) in an International Multicentre Study of Primary Care Patients. PLoS One. 2013;8(9):e74786.

 

Arzt-Patienten-Beziehung: Der PRA - Patient Reactions Assessment

Zur Charakterisierung der Arzt-Patient-Beziehung wird häufig ein kognitiv orientierter Ansatz (cognitive care) im Gegensatz zu einem emotionalen Ansatz mit Schwerpunkt auf Empathie (emotional care) diskutiert (DiBlasi 2001). Patient Reaction Assessment (PRA) ist ein im englischen Sprachraum etabliertes und valides Instrument zur Erhebung der wahrgenommenen Qualität der Arzt-Patient-Beziehung. Der 15 Items umfassende Fragebogen unterscheidet die 3 Subskalen: Information, affektives Verhalten und Kommunikation (Galassi 1992). Es wurde eine deutschsprachige Version für die Primärversorgung entwickelt und evaluiert.

Quelle: Brenk-Franz K, Hunold G, Galassi JP, Tiesler F, Herrmann W, Freund T, Steurer-Stey C, Djalali S, Sönnichsen A, Schneider N, Gensichen J. [Quality of the physician-patient relationship – evaluation of the German version of the Patient Reactions Assessment (PRA-D)]. Qualität der Arzt-Patienten-Beziehung – Evaluation der deutschen Version des Patient Reactions Assessment Instruments (PRA-D). Z Allg Med. 2016;92(3):103-8.

 

Unterstützung durch die Hausarztpraxis: Der PACIC - Patient Assessment of Chronic Illness Care

Patienten mit chronischen Erkrankungen werden von Hausärzte und ihre Praxisteams neben Diagnosestellung und Therapieindikation in zahlreichen Bereichen unterstützt, wie z.B. beim Umgang mit der Erkrankung. Der PACIC ist ein aus des dem Chronic Care Model (Wagner 1998, Glasgow 2005) abgeleitetes Messwerkzeug, das diese Praxisunterstützung gut abbilden kann. Es wurden eine deutschsprachige vollumfängliche Version (a) und eine Kurzversion (b) erstellt und für die Primärversorgung evaluiert.

Quelle a: Rosemann T, Laux G, Droesemeyer S, Gensichen J, Szecsenyi J. Evaluation of a culturally adapted German version of the Patient Assessment of Chronic Illness Care (PACIC 5A) questionnaire in a sample of osteoarthritis patients. J Eval Clin Pract. 2007 Oct;13(5):806-13.

Quelle b : Goetz K, Freund T, Gensichen J, Miksch A, Szecsenyi J, Steinhaeuser J. Adaptation and psychometric properties of the PACIC short form. Am J Manag Care. 2012 Feb 1;18(2):e55-60. PMID: 22435885.

 

Depression: Die DeMol - Depressions-Monitoring-Liste

Über 60 Prozent der Patienten mit Depression werden in Hausarztpraxen behandelt. Ein regelmäßiges und strukturiertes Monitoring hilft hier der verlässlichen und rechtzeitigen Erfassung möglicher Komplikationen sowie der Patientenadherence. Mit der für die hausärztliche Arbeit entwickelten, deutschsprachigen DeMol können mit einem Ampelschema klinisch wichtige Hinweise rasch dem behandelnden Hausarzt bereitgestellt werden. Er kann dann rechtzeitig handeln.

Quelle: Gensichen J, Peitz M, Torge M, Mosig-Frey J, Wendt-Hermainski H, Rosemann T, Gerlach FM, Löwe B. The "Depression Monitoring list" (DeMoL) with integrated PHQ-D-Rationale and design of a tool for the case management for depression in primary care. Z Arztl Fortbild Qualitatssich. 2006;100(5):375-82. German.

 

Angst: Die JaMol - Jena-Angst-Monitoring-Liste

Patienten mit Angst oder Panik sind häufig in Hausarztpraxen in Behandlung. Ein regelmäßiges und strukturiertes Monitoring hilft hier der verlässlichen und rechtzeitigen Erfassung möglicher Komplikationen sowie der Patientenadherence. Mit der für die hausärztliche Arbeit entwickelten, deutschsprachigen JaMol können mit einem Ampelschema klinisch wichtige Hinweise rasch dem behandelnden Hausarzt bereitgestellt werden. Er kann dann rechtzeitig handeln.

Quelle: Hiller TS, Freytag A, Breitbart J, Teismann T, Schöne E, Blank W, Schelle M, Vollmar HC, Margraf J, Gensichen J; für die Jena-PARADISE Study Group. The Jena Anxiety Monitoring List (JAMoL) - a tool for the evidence-based treatment of panic disorder with or without agoraphobia in primary care. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes. 2018 Apr;131-132:28-37. DOI: 10.1016/j.zefq.2018.02.003. Epub 2018 Mar 13.

 

Arthitis: Die ArthMol - Arthitis-Monitoring-Liste

Patienten mit Arthitis erleiden eine komplex-chronische Erkrankung und sind häufig in Hausarztpraxen in Behandlung. Ein regelmäßiges und strukturiertes Monitoring hilft hier einer verlässlichen Erfassung der Komplikationen. Mit der für die hausärztliche Arbeit entwickelten, deutschsprachigen ArthMol können u.a. mit einem Ampelschema die klinisch wichtigen Hinweise rasch dem behandelnden Hausarzt bereitgestellt werden. Er kann dann die Therapie rechtzeitig anpassen.

Quelle: Rosemann T, Körner T, Wensing M, Gensichen J, Muth C, Joos S, Szecsenyi J. Rationale, design and conduct of a comprehensive evaluation of a primary care based intervention to improve the quality of life of osteoarthritis patients. The PraxArt-project: a cluster randomized controlled trial [ISRCTN87252339]. BMC Public Health. 2005 Jul 19;5:77.

 

Herzinsuffizienz: Die HiMol - Herzinsuffizienz-Monitoring-Liste

Patienten mit Herzinsuffizienz brauchen ein regelmäßiges Beobachten der klinischen Symptome. Das strukturierte Monitoring mit einem verlässlichen Messwerkzeug kann mögliche Komplikationen sowie die Patientenadherence rechtzeitig erfassen. Mit der für die hausärztliche Arbeit entwickelten, deutschsprachigen HiMol können mit einem Ampelschema die wichtigen Hinweise knapp dem behandelnden Hausarzt bereitgestellt werden. Er kann dann rechtzeitig Schlimmeres verhindern.

Quelle: Freund T, Baldauf A, Muth C, Gensichen J, Szecsenyi J, Peters-Klimm F. Practice-based home visit and telephone monitoring of chronic heart failure patients: rationale, design and practical application of monitoring lists in the HICMan trial]. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes. 2011;105(6):434-45. DOI: 10.1016/j.zefq.2010.06.027. Epub 2010 Jul 21. German.  PMID: 21843846.

 

Schwersterkrankung: Die SepMol - Sepsis-Monitoring-Liste

Um eine effiziente Nachsorge für Patienten, die auf der Intensivstation z.B. mit einer Sepsis behandelt wurden, auch in der Hausarztpraxis sicherzustellen, empfiehlt sich, ein regelmäßiges Monitoring der Folgen im Praxisteam einzuführen. Mit Hilfe eines Ampelschemas werden die sechs Hauptkomplikationen (Schmerz, Kachexie, Depression, Posttraumatische Belastung, Critical Illness Myopathie und - Neuropatie) nach einer Sepsis auf Symptomebene mit validierten Messinstrumenten regelmäßig erhoben, und entsprechende Handlungsempfehlungen in Abhängigkeit vom Schweregrad angeboten. Das für die Primärversorgung entwickelte Instrument hilft auch bei der internen Praxisabstimmung.

Quelle: Schmidt K, Worrack S, Von Korff M, Davydow D, Brunkhorst F, Ehlert U, Pausch C, Mehlhorn J, Schneider N, Scherag A, Freytag A, Reinhart K, Wensing M, Gensichen J; SMOOTH Study Group. Effect of a Primary Care Management Intervention on Mental Health-Related Quality of Life Among Survivors of Sepsis: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2016 Jun 28;315(24):2703-11. DOI: 10.1001/jama.2016.7207.