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Ursachen

Veränderungen der Gebärmutter

Bei etwa 10% der Frauen mit gehäuften Fehlgeburten sind Veränderungen der Gebärmutter als Ursache festzustellen. Häufig finden sich Septen in der Gebärmutterhöhle (eine feine, leicht zu entfernende Trennwand in der Gebärmutter), oder andere Anomalien, die ohne Behandlung (je nach Schweregrad der Anomalie) in 25-67% zu wiederholten Abgängen führen können. Auch Myome (Muskelknoten in der Gebärmutter) können Komplikationen darstellen, besonders dann, wenn sie in die Gebärmutterhöhle hinein ragen und damit die Funktion der Schleimhaut beeinträchtigen. Nach entsprechender Diagnostik werden wir ggf. operative Therapieansätze mit Ihnen besprechen.

Infektionen

Lokale bakterielle und virale Infektionen sowie Pilzinfektionen in der Scheide, am Muttermund / Gebärmutterhals oder der Gebärmutter selbst beeinträchtigen den komplikationslosen Verlauf einer Schwangerschaft. Meist wird der Einfluss einer Infektion erst nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel bedeutend. Als mögliche Erreger sind Toxoplasma gondii, Chlamydia trachomatis, Mykoplasmen, Ureaplasmen und andere anaerobe Keime zu nennen. Ein Blasensprung, Fieber oder andere Infektionszeichen können Hinweise für eine Infektion sein. Oft treten diese Probleme auch im Zusammenhang mit einer Muttermundschwäche (Zervixinsuffizienz) auf (z.B. nach vorausgegangenen Operationen am Muttermund). Dann kann es zu einer stummen Öffnung des Muttermundes mit Infektion des Fruchtwassers und der Frucht kommen (Amnioninfektionssyndrom). Als therapeutische Maßnahme kann eine Behandlung mit Antibiotika, die strenge Überwachung der vaginalen Bakterienbesiedelung (Messung des pH-Wertes der Scheide), sowie ein operativer Muttermundsverschluss in Frage kommen. Natürlich werden wir diese Aspekte sehr ausführlich mit Ihnen besprechen und abwägen.

Genetische Ursachen, genetische Beratung, genetische Diagnostik

Untersuchungen am Abortmaterial haben gezeigt, dass überwiegend Chromosomenstörungen, spontan auftretende chromosomale Fehlverteilungen, für Fehlgeburten verantwortlich sind. Das Wiederholungsrisiko ist dabei nur minimal erhöht. In seltenen Fällen trägt jedoch bereits einer der beiden Eltern eine Chromosomenveränderung, die ursächlich für eine chromosomale Imbalance für Nachkommen sein kann. Dies resultiert sehr häufig in Fehlgeburten. Dabei ist das Wiederholungsrisiko deutlich erhöht. Eine genetische Beratung und Untersuchung kann solche Situationen aufklären.

Immunologische Ursachen / Antikörper gegen den Mutterkuchen

Häufig ist eine überschießende oder fehlgesteuerte Reaktion des Immunsystems (Abwehrsystem) verantwortlich für gehäufte Abgänge. Das Immunsystem kann eigenes Gewebe (Auto-Antikörper) angreifen und zusätzlich die Schwangerschaft schädigen. Zusätzlich scheint das Immunsystem der Mutter in manchen Fällen bestimmte, vom Vater vererbte Gewebseigenschaften als „fremd“ zu erkennen und diese abzustoßen. Auch diese Reaktionen können offenbar zu Fehlgeburten führen. Wir führen sehr umfangreiche Untersuchungen des Immunsystems durch, um festzustellen, ob bzw. welche Störungen vorliegen und welche Therapieoptionen für Sie vorliegen. Wir werden diese dann sehr ausführlich mit Ihnen besprechen.
Ein Schwerpunkt unserer wissenschaftlichen Arbeit liegt in diesem Teilbereich.

Forschung / Wissenschaft

Es gibt neue Erkenntnisse über Ursachen und Therapiemöglichkeiten gehäufter Aborte, die von uns derzeit erforscht werden, ein Schwerpunkt unserer wissenschaftlichen Tätigkeit. So gelang es bisher bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten Antikörper gegen den Mutterkuchen zu identifizieren (Rogenhofer et al., Fertilsteril 2012). Gerne beraten wir sie über die Bestimmung und mögliche Konsequenzen.
Ebenso konnten wir erstmalig eine väterliche Beteiligung nachweisen (Rogenhofer et al., FertilSteril 2013).

Verstärkte Blutgerinnung

Es zeigt sich, dass bei Fehlgeburten häufig eine übersteigerte Gerinnbarkeit des mütterlichen Blutes in den Gefäßen des Mutterkuchens (Plazenta) zu erkennen ist. Durch diese Blutkoagel wird die Durchblutung und damit die Versorgung des Kindes behindert, was zu Mangelversorgung, Wachstumsstörungen oder sogar Wachstumsstop und zum Absterben der Frucht führen kann. Im Rahmen unserer Diagnostik können wir eine Reihe von (bisher meist unerkannten) Gerinnungsanomalien erkennen. Häufig ergeben sich hieraus Behandlungsmöglichkeiten für eine weitere Schwangerschaft. Wichtig ist eine klare Diagnostik, da nur so eine zielgerichtete Behandlung möglich ist.

Hormonelle Gesichtspunkte

Als wichtige hormonelle Ursache gestörter Frühschwangerschaften wird das Syndrom der polyzystischen Ovarien (PCO) diskutiert. Meist handelt es sich um sehr frühe Fehlgeburten. Offenbar findet keine adäquate Reifung der Eizelle statt und es kommt nachfolgend zur Störung der Frühschwangerschaft.
Andere Hormonstörungen betreffen das Gelbkörperhormon (Corpus luteum Insuffizienz), die Schilddrüse (einschließlich dem vermehrten Auftreten von Autoantikörpern gegen die Schilddrüse), das Milchhormon (Prolaktin) sowie die männlichen Hormone (Hyperandrogenämie). Nach Identifikation dieser Störungen erarbeiten wir mit Ihnen ein Therapiekonzept.