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Erkrankungen der thorakalen Gefäße

Bei krankhaften Veränderungen der Hauptschlagader im Brustbereich handelt es sich in der Regel um Erweiterungen (Aneurysmen) durch eine angeborene oder erworbene Schwäche der Gefäßwand. Dabei können reine Ausdünnungen oder aber auch Gefäßwandeinrisse vorkommen. 

Um ein spontanes Platzen des Gefäßes zu verhindern, muss der erkrankte Teil mit einer Kunststoffröhre aus Dacron ersetzt werden, die lebenslang hält. Während der Operation wird in der Regel der Körper des Patienten stark abgekühlt (Hypothermie), um den Eingriff im Kreislaufstillstand (z. B. am Aortenbogen) durchführen zu können. Veränderungen am absteigenden Teil der Aorta können während der Eingriffe mit einem Kunststoff-überzogenen Stent versorgt werden.

 

Akute Aortendissektion vom Typ Stanford A bei einem 34-jährigen Fallschirmspringer

Autor: Stefan Buchholz

Ein 34-jähriger Mann wurde uns mit plötzlich aufgetretenen starken Brustschmerzen vorgestellt. Anamnestisch waren keine Vorerkrankungen bekannt. Klinisch zeigte sich mit Ausnahme der Brustschmerzen ein unauffälliger Untersuchungsbefund. In der durchgeführten Computertomographie zeigte sich schließlich eine Aortendissektion vom Typ Stanford A (Bild 1 A,B). Der Patient wurde daraufhin sofort notfallmäßig bei uns operiert. Hierbei wurde ein Einriß im aufsteigenden Teil der Aorta gesehen. Unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine sowie kurzem hypothermen Kreislaufstillstand wurde der aufsteigende Anteil der Aorta durch eine Rohrprothese ersetzt. Schon am ersten postoperativen Tag konnte der Patient extubiert werden. Drei Wochen nach der Operation wurde der Patient beschwerdefrei entlassen.

 

Aortendissektion_2

 

Bild 1: A: In der Seitenaufnahme zeigt sich die Dissektion der A. ascendens mit Aufteilung in ein wahres (*) und falsches Lumen (**) (PA Pulmonalarterie, LV linker Ventrikel). B: Axiale Aufnahme mit Darstellung des wahren und falschen Lumens.

 

Die akute Aortendissektion ist eine relativ seltene Erkrankung, welche eine sehr rasche Diagnose und Therapie erfordert. Die Gefäßwand der Aorta besteht aus 3 Schichten. Wenn es im Rahmen der Aortendissektion zu einem Einreißen der innersten Gefäßwandschicht kommt, kann sich das Blut zwischen diese Schichten wühlen. Dadurch kann die Durchblutung von Organen beeinträchtigt werden oder es kann zu einem lebensgefährlichen Herzbeutelerguss kommen.

Basierend auf der Lokalisation des Einrisses kann die Aortendissektion in zwei verschiedene Typen unterteilt werden (Klassifikation nach Stanford):

 

  • Typ Stanford A: Beginn der Dissektion im aufsteigende Teil der Aorta

 

  • Typ Stanford B: Beginn der Dissektion nach dem Abgang der Arm- und Kopfgefässe

 

 

Während die akute Typ A Dissektion - aufgrund der lebensbedrohlichen Komplikationen - neben einer raschen Diagnose auch möglichst schnell einer operativen Therapie bedarf, kann eine Typ B Dissektion zunächst konservativ behandelt werden.

Häufig tritt dieses Ereignis bei älteren Menschen auf. Der Hauptrisikofaktor ist hier vor allem ein erhöhter Blutdruck.

Da der Patient noch sehr jung ist, erfolgte eine umfassende Abklärung hinsichtlich der Ursache der Aortendissektion. Ein dauerhaft zu hoher Blutdruck konnte ausgeschlossen werden. Es zeigte sich kein Hinweis auf eine angeborene Bindegewebserkrankung (z. B. das Marfan Syndrom) und ein unmittelbares Trauma (z. B. Verkehrsunfälle) zum Zeitpunkt der aufgetretenen Beschwerden konnte ebenfalls ausgeschlossen werden. Die weitere Anamnese ergab schließlich, dass der Patient Fallschirmspringer war. Während der Landung ist man durch den Aufprall auf dem Boden unter bestimmten Umständen massiven Bremskräften ausgesetzt. Als mögliche Ursache könnten somit diese sogenannten Dezelerationstraumen für die akut aufgetretene Aortendissektion in Frage kommen.

 

 
 

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