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AG Infektiöse Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Arbeitsgruppe „Infektiöse Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ wurde 2015 gegründet und beschäftigt sich vornehmlich mit infektiösen Erkrankungen des Herzens und der Hauptschlagader (Aorta) sowie ihren Abgangsgefäßen.
 

Aktuelle Forschungsprojekte/ -schwerpunkte:

  • Retrospektive klinische Analysen zur Inzidenz und Langzeitergebnissen
  • Verbesserung von Methoden zur perioperativen Erregerbestimmung
  • Entwicklung von neuen klinischen Strategien und Behandlungsmethoden
  • Erstellung prospektiver klinischer Datenbanken
  • Experimentelle Untersuchungen von verschiedenen Gefäßprothesen und künstlichen Bio-Herzklappen

 

AG Lühr neu

Initiativbewerbungen für klinische und experimentelle Doktorarbeiten sind jederzeit willkommen.   

Problem der infektiösen Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bei der Therapie von infektiösen Herz-Kreislauferkrankungen besteht eine generelle Schwierigkeit darin, die für die Infektion verantwortlichen Erreger nachzuweisen. Durch die Lokalisation tief im Körper ist meist gar keine oder nur eine indirekte (z.B. Blutkulturen) Bestimmung von Krankheitserregern möglich. Dies erschwert wiederum eine genaue Abschätzung des verantwortlichen Erregerspektrums und somit eine möglichst gezielte medikamentöse Therapie. Zudem wirken Medikamente/ Antibiotika (trotz intravenöser Gabe) nicht immer in ausreichenden therapeutischen Dosen in den betroffenen Körperregionen, so dass auch immer der Infektionsherd vollständig beseitigt werden muss.

Herzklappeninfektionen (Endokarditis)

Die Endokarditis ist eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokard) , die die Herzhöhlen und den herznahen Anteil der Arterien  und Venen auskleidet. Grundsätzlich werden abakterielle von infektiösen Endokarditiden unterschieden.
 

Formen der abakterielle Endokarditis:

  • Endocarditis verrucosa rheumatica (Ursache: rheumatisches Fieber)
  • Endocarditis thrombotica (Ursache: Tumorerkrankungen)
  • Endocarditis thrombotica Libman-Sacks (Ursache: Systemischer Lupus Erythematodes)
  • Endokarditis bei Karzinoid
  • Endocarditis parietalis fibroplastica Löffler
     

Formen der infektiösen Endokarditis:

  • Bakterielle Endokarditis
  • Virale Endokarditis
  • Mykotische Endokarditis

Die Formen der infektiösen Endokarditis kommen weltweit am häufigsten vor und können durch Bakterien, Viren oder Mykosen (Pilze) hervorgerufen werden. Das Auftreten einer infektiösen Endokarditis ist variabel, kann aber grundsätzlich jeden Menschen betreffen. Männer sind zweimal häufiger betroffen als Frauen, wobei betroffene Frauen im Hinblick auf Genesung und das Überleben eine schlechtere Prognose haben. Eine erhöhte Gefahr, an einer Endokarditis zu erkranken, besteht jedoch insbesondere bei Patienten mit angeborenen/ erworbenen Herzfehlern , nach einer Herzschrittmacherimplantation sowie nach einem offen-chirurgischen oder einem interventionellen (katheterbasierten = TAVI) Herzklappenersatz. Man spricht in solchen Fällen von einer Schrittmachersonden- bzw. Prothesenendokarditis.  

Eine Herzklappenentzündung ist eine schwerwiegende Erkrankung die unbehandelt meist tödlich verläuft. Durch die Einführung von Antibiotika ist die Endokarditis bei herzgesunden Menschen zwar medikamentös behandelbar, jedoch ist die Sterblichkeit nach wie vor sehr hoch (bis zu 30% der Fälle). Bei ausgeprägten Infektionen und insbesondere bei voroperierten Patienten ist deshalb, neben der antibiotischen Therapie, immer eine herzchirurgische Operation mit Herz-Lungen-Maschine zur vollständigen Heilung notwendig.

Aortenentzündung (Aortitis)

Die Aortitis stellt eine Entzündung der Gefäßwand der Hauptschlagader (Aorta) dar und ist, obwohl sehr selten, potentiell lebensbedrohlich. Das Vorkommen wird mit 1-3 Fällen pro 1 Million Einwohnern in Europa beschrieben und betrifft vorwiegend junge Patienten im Alter von 10 bis 40 Jahren.
 

Ursachen einer Aortitis:

  • Syphilis
  • Virale oder bakterielle Infektionen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Unfälle
     

Am häufigsten kommt eine Aortitis im Zusammenhang mit der Syphilis-Erkrankung, der Rießenzellarteritis, der sog. Takayasu's arteritis und der rheumatoiden Arthritis vor. Da diese Erkrankungen durch neuere Therapien ebenfalls sehr selten geworden sind, hat die Zahl der nativen Hauptschlagaderinfektionen deutlich abgenommen.

Gefäßprotheseninfektionen nach thorakalem Aortenersatz

Im Gegensatz zur nativen Hauptschlagaderinfektion (Aortitis) stellt die Infektion von Gefäßprothesen nach thorakalem Aortenersatz ein zunehmendes Problem in der Herz- und Gefäßchirurgie dar. Das Auftreten einer isolierten postoperativen Gefäßprotheseninfektion kann laut Studienlage 1–6% aller operierten Patienten nach thorakalem Aortenersatz betreffen und ist—wie fast alle Herz-Kreislaufinfektionen—potentiell lebensbedrohlich. Die genauen Ursachen für die zunehmende Häufigkeit von Protheseninfektionen sind jedoch noch nicht hinreichend geklärt.  Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Mehrzahl der Gefäßprotheseninfekte bereits zum Zeitpunkt der Operation oder unmittelbar danach auftreten. Insbesondere Patienten mit chronischen Wunden (z.B. diabetisches Fußsyndrom) oder mit einer sternalen Wundheilungsstörung innerhalb der ersten 30 Tage nach einer Aortenoperation sind in diesem Zusammenhang gefährdet.

Da konservative Therapiestrategien meist mit einer hohen Letalität (bis 75%) vergesellschaftet sind, kann auch bei den Gefäßprotheseninfektionen nur eine chirurgische Therapie die langfristige Heilung ermöglichen. Dies umfasst neben einer schnellen klinischen Diagnose die sofortige Reoperation mit vollständiger Entfernung von infiziertem Prothesenmaterial und einbezogenen Geweben, ausgiebige Wundspülung und Rekonstruktion der Hauptschlagader (Aorta).   

Leitung:

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Dr. med. Maximilian Lühr

 
 

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