Therapie

Therapie bei Schwindel

Die Behandlung der verschiedenen Schwindelformen umfasst medikamentöse, physikalische, psychotherapeutische und - heute nur noch sehr selten – operative Maßnahmen.

Vor Beginn der Therapie sollte der Patient auf die meist gute Prognose hingewiesen werden, weil viele Schwindelsyndrome einen günstigen Spontanverlauf haben (z.B. durch Besserung der peripher-vestibulären Funktion oder durch zentrale Kompensation der vestibulären Tonusimbalance) und erfolgreich therapiert werden können. Voraussetzung für die Einleitung einer gezielten Therapie ist eine exakte Diagnosestellung. Auch Kombinationstherapien können sinnvoll sein.

  • Pharmakotherapie

    In Abhängigkeit von dem Schwindelsyndrom und den Vorerkrankungen der Patienten kommen unterschiedliche Substanzklassen zum Einsatz.
    Zu unterscheiden ist grundsätzlich zwischen Medikamenten zur symptomatischen Akutbehandlung von Schwindel, Übelkeit und Erbrechen (z.B. Antivertiginosa) und Pharmaka zur Dauerbehandlung eines chronischen oder rezidivierenden Schwindels zur Linderung der Beschwerden oder Vorbeugung von Attacken.
  • Psychologische, psychiatrische und verhaltenstherapeutische Behandlung
    Da psychologische Schwindelformen eine sehr häufige Diagnose in unserer Spezialambulanz darstellen, kommt ihrer Behandlung eine besondere Bedeutung zu. Zu unterscheiden sind primäre und sekundäre (in Folge oder in Kombination mit einem organischen Schwindelsyndrom) psychosomatische Schwindelformen. Sie werden meist mittels einer kognitiven Verhaltenstherapie mit Desensibilisierung durch Eigenexposition, ggf. in Kombination mit einer Pharmakotherapie, behandelt.
  • Physikalische-medizinische Behandlung
    Spezifisches Gelichgewichtstraining führt zur Verbesserung der zentralen vestibulären Kompensation peripherer und zentraler vestibulärer Störungen. Dabei werden spezielle Übungen für das vestibuläre, somatosensorische und okulomotorische System durchgeführt, um z.B. die Substitution der fehlenden vestibulären Informationen durch die anderen Systeme zu fördern. Die Befreiungsmanöver beim BPPV führen bei korrekter Durchführung in mehr als 95% aller Fälle innerhalb weniger Tage zur Beschwerdefreiheit.

BPPV - Befreiungsmanöver
Benigner peripherer paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPPV)
Therapie des rechten posterioren Bogengangs (Semont)

Bild1

 

Kopf um 45° nach links drehen (Kinn zeigt zur linken Schulter)

Bild2

Körper zur rechten Seite legen und darauf achten, dass das Kinn weiterhin zur linken Schulter zeigt.

Bild3

Köper in einem Schwung zur linken Seite bewegen ohne dabei in der Mitte zu stoppen. Darauf achten, dass das Kinn weiterhin zur linken Schulter zeigt und somit die Nase zur Liege zeigt.

Bild4

Langsam wieder in die Sitzposition aufrichten und 3 Minuten sitzen bleiben.

Übungsanleitung für Patienten

Ein „weiches Lagern“ des Kopfes vermindert die Wirksamkeit des Manövers. Es soll daher kein Kissen in den Seitenpositionen untergelegt werden.

Die Übungen müssen nur so lange durchgeführt werden, solange sich noch Schwindel bei Seitlagerung auslösen lässt.

Die Therapie kann daher beendet werden, wenn sich am jeweils nächsten Tag kein Schwindel mehr auslösen lässt.

Nach jeder Lagerung soll mindestens solange in der neu eingenommenen Position gewartet werden, bis der auftretende Schwindel abgeklungen ist  (ca. 2 min).

Zur Anleitung "Lagerungsmanöver"

 

Vestibuläre Rehabilitationstherapie

Die Vestibuläre Rehabilitationstherapie (VRT) ist ein ursprünglich in den 1940ern entwickeltes Rehabilitationsprogramm für Patienten mit geschädigten Gleichgewichtsorganen. Dieses Programm wurde in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ergänzt und angepasst, gilt aber heute noch als Therapiestandard für Patienten mit Schwindel aufgrund von peripheren und zentralen vestibulären Ursachen. Die VRT wird zur Verbesserung der zentral-vestibulären Kompensation durchgeführt. Dabei werden spezielle Übungen für das vestibuläre, somatosensorische und visuelle System durchgeführt, um zum Beispiel die Substitution der fehlenden vestibulären Information durch die anderen Systeme zu fördern. Die Wirksamkeit dieser Therapie wurde tierexperimentell und klinisch sowohl bei akuten Läsionen als auch bei chronischen Schädigungen nachgewiesen.

Damit die VRT möglichst effektiv ist, sollte individuell auf die Beschwerden des Patienten eingegangen werden. Das passiert optimaler Weise innerhalb eines intensiven Trainingsblocks unter Anleitung eines erfahrenen Schwindel-Physiotherapeuten. Zusätzlich ist ein individuelles Hausaufgabenprogramm zum eigenständigen Üben unumgänglich, da gegen den Schwindel wiederholt und langfristig geübt werden muss, um ausgleichende Mechanismen zu aktivieren.

Wir haben in der Physiotherapie des DSGZ für unsere Patienten Flyer entworfen, die das Heimtrainingsprogramm unterstützen können. Diese Flyer sollen die Patienten über die wichtigsten Regeln der Therapie informieren und dabei helfen eigenständig zu üben. Das Übungsprogramm kann jedoch keine Behandlungsserie unter Anleitung eines spezialisierten Physiotherapeuten ersetzen.

 

Zum "Flyer "Physiotherapie bei Schwindel"
zum "Flyer Physiotherapie bei Gangstörungen"
zum "Flyer Physiohterapie bei Gleichgewichtsstörungen"

Im Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrum bieten wir für einige Krankheitsbilder Physiotherapie bei erfahrenen Schwindel-Therapeuten im Rahmen von Studien an. Hauptvoraussetzung für die Teilnahme an einer Therapiestudie ist die Vorstellung in unserem Zentrum mit Etablierung einer spezifischen Diagnose und Prüfung weiterer Teilnahmevoraussetzungen.

Weitere Informationen zum Thema Schwindel und Physiotherapie bei Schwindel, sowie Kontaktadressen erfahrener Schwindeltherapeuten in ihrer Nähe und Fortbildungsangebote für Therapeuten, finden Sie unter folgender Internetseite:

www.ohne-schwindel.de

Für Patienten und Ärzte: Verzeichnis spezialisierter Therapeuten
Für Therapeuten: Fortbildungskurse (Therapie bei Schwindel)

 
EN

Terminvereinbarung

Terminvereinbarung für Patienten
Telefon:
089 / 4400-76980
Mo- Do 8.00 -12.30 und
13.30 - 15.00 Uhr

Fr 8.00-12.30 Uhr

Email:
terminvereinbarung-ifb@med.uni-muenchen.de

BMBF-Logo

Spendenkonto

LMU-Klinikum
IBAN DE38 7005 0000 0002 0200 40
BIC BYLADEMMXXX
Unbedingt angeben: zu Gunsten DSGZ – Finanzstelle 80221002, Spende