Netzhaut
Vergleicht man unser Auge mit einer Kamera, so bildet die Netzhaut den Kamerafilm. Sie kleidet das Innere des hinteren Augenabschnitts aus und repräsentiert ein hochspezialisiertes Gewebe an Sinneszellen und weiterverarbeitenden Schaltzellen. Durch die Netzhaut sind wir in der Lage zu sehen und Farben wahrzunehmen. Erkrankungen der Netzhaut führen häufig nach einiger Zeit zu einer Einschränkung des Sehens.
Netzhautablösung (Ablatio retinae)
Die Netzhautablösung ist eine insgesamt seltene Erkrankung mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10000 in der Gesamtbevölkerung. Prinzipiell gilt jede Netzhautablösung primär als augenärztlicher Notfall und sollte baldmöglichst einem netzhautchirurgischem Zentrum wie der Augenklinik der LMU vorgestellt werden, um das weitere therapeutische Vorgehen zu planen. Es werden verschiedene Formen der Netzhautablösung unterschieden:
Die sogenannte „rhegmatogene“ Netzhautablösung ist die häufigste Form. Ihr geht eine hintere Glaskörperabhebung voraus, bei der sich der Glaskörper, eine gelartige Masse, die das Innere des hinteren Augenabschnitts ausfüllt, vom hinteren Augenpol abhebt. Ursachen hierfür sind u.a. Alterungserscheinungen des Glaskörpergels, welches sich dabei kontrahiert sowie Kurzsichtigkeit mit relativ längerem Auge, die Operation des Grauen Stars, Trauma, Lasereingriffe an der Linsenkapsel und Glaskörperblutungen. Die alleinige hintere Glaskörperabhebung führt jedoch nicht zu einer rhegmatogenen Netzhautablösung, sie ist ab einem Alter von 70 Jahren in über 60% der Augen vorhanden ohne dass eine Netzhautablösung auftritt. Symptom einer hinteren Glaskörperabhebung kann die plötzliche Wahrnehmung eines beweglichen und vor allem bei hellem Umgebungslicht oder vor hellen Hintergründen wahrnehmbaren Schattens sein. Da der Glaskörper jedoch nach seiner Abhebung sich vermehrt im Auge bewegen kann und nach vorne der Netzhaut anheftet, kann er an der Netzhaut ziehen. Der Patient bemerkt dies zum Teil als plötzlich auftretende Wahrnehmung von Licht- oder Blitzerscheinungen. Diese Symptome entstehen durch die reaktive Entladung von Netzhautrezeptoren auf die Zugkräfte. Die Wahrnehmung einer aufsteigenden Rauchwolke im Auge oder eines Rußregens können durch eine leichte Blutung durch ein gerissenes Netzhautgefäß auftreten. All diese Symptome sollten immer zu einer Vorstellung bei einem Augenarzt mit Untersuchung der Netzhaut unter weitgestellter Pupille (Achtung: keine Fahrtauglichkeit für mind. 4 Stunden nach der Untersuchung!) führen. Diese Untersuchung ist notwendig um auszuschliessen, dass es durch die Zugwirkung des Glaskörpers zur seltenen Erscheinung eines Netzhautloches gekommen ist, welches unter Umständen einer weiteren Behandlung z.B. einer Netzhautlaserung zugeführt werden muss. Das Auftreten eines Netzhautloches ist nämlich die Vorstufe einer möglichen rhegmatogenen Netzhautablösung. Durch dieses Loch kann Flüssigkeit aus dem Augeninneren zwischen die Netzhaut und die darunter liegenden versorgenden Schichten gelangen und dadurch die Netzhaut, welche nicht mit der Unterlage verwachsen ist, abheben. Kommt es zu einer rhegmatogenen Netzhautablösung ist eine operative Wiederanlegung notwendig, da sonst die Versorgung der Netzhaut mit Nährstoffen auf Dauer nicht gewährleistet ist und sie Schaden nimmt. Unterschiedliche Verfahren zur Wiederanlegung der Netzhaut sind je nach klinischem Bild notwendig. Bei der sog. Plomben- oder Buckelchirurgie wird von aussen ein bioverträgliches Kunststoffmaterial auf das Auge aufgenäht, um das entstandene Loch zu tamponieren und die Zugkräfte des Glaskörpers zu entlasten. Durch eine Vereisungsbehandlung wird die direkt an das Loch angrenzende Netzhaut zusätzlich mit ihren darunterliegenden Schichten durch Anstoßen einer Vernarbungsreaktion „verklebt“. In manchen Fällen kann dies in einer sog. pneumatischen Retinopexie auch ohne den Einsatz einer „Plombe“ unter Eingabe einer Gasblase als Tamponade in das Auge erfolgen, welche die Netzhaut von innen andrückt und sich nach einigen Tagen auflöst, . Bei schwerwiegenderen rhegmatogenen Netzhautablösungen ist eine pars plana Vitrektomie notwendig. Bei dieser Operation wird der Glaskörper über drei kleine Zugänge aus dem Augeninneren entfernt und die Netzhaut von innen wiederangelegt. Bestehende Löcher werden durch Laserung „verschlossen“ und am Ende der Operation entweder eine vorübergehende Tamponade in Form einer Luft- oder Gasblase oder eine längerdauernde Tamponade mittels Silikonöl eingegeben. In der postoperativen Phase ist es sehr wichtig, durch eine vorübergehende spezielle Lagerung, welche Ihnen Ihr Arzt je nach Befund mitteilt, den Heilungsverlauf zu unterstützen. All diese operativen Verfahren sollten im Allgemeinen unter stationären Bedingungen mit einer Aufenthaltsdauer von je nach Befund zwei bis sieben Tagen durchgeführt werden.
Die zweite Form der Netzhautablösung ist die „traktive“ Netzhautablösung. Hierbei wird die Netzhaut durch im Auge entstandene, Zugkräfte entwickelnde Membranen, welche die Netzhaut hochziehen, abgehoben. Diese Netzhautablösung muss meist von innen durch eine pars plana Vitrektomie mit der Entfernung der Membranen operativ versorgt werden. Bei der traktiven Form der Netzhautablösung können auch Kombinationen mit einer rhegmatogenen Netzhautablösung vorkommen.
Die dritte Form der Netzhautablösung ist die sogenannte seröse Netzhautablösung bei der die Netzhaut durch Flüssigkeit, welche unter der Netzhaut aufgrund von entzündlichen, degenerativen oder tumorösen Prozessen entsteht, von ihrer Unterlage getrennt wird. Hier ist die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung das primäre Ziel, häufig ist keine Operation notwendig.
Wichtige Symptome, welche zu einer Vorstellung beim Augenarzt mit Untersuchung der Netzhaut unter weitgestellter Pupille führen sollten:
PLÖTZLICH oder NEU AUFTRETENDE TRÜBUNGEN („fliegende Mücken“, „Rauchwolke“, „Rußregen“)
WAHRNEHMUNG VON BLITZEN ODER LICHTERSCHEINUNGEN
WAHRNEHMUNG EINES KONSTANTEN SCHATTENS, WELCHER HÄUFIG AN DER NASENSEITE UNTEN AUFTRITT