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Geschichte der Augenklinik

Augenheilkunde an der Universität München

Am 30. September 1843 übernimmt Franz Christoph von Rothmund den Lehrstuhl der Chirurgie und Augenheilkunde, den er bis 1871 mit Johann Nepomuk von Nußbaum (1829-90) teilt. Nachdem die beiden chirurgischen Vorstände vereinbart hatten, dass Nußbaum auf die ophthalmologische Klinik, Rothmund auf die chirurgischen Patienten verzichten würde, wird die Augenabteilung des allgemeinen Krankenhauses 1871 ausgegliedert und in die Rothmundsche Augenheilanstalt verlegt.

Das ehemalige Heiliggeistspital um 1900, Gemälde von Franz Runner

Die Rothmundsche Augenheilanstalt, ursprünglich eine Privatklinik, ist zwischen 1856 und 1879 in einem Haus in der Mathildenstrasse untergebracht. Leiter der Klinik ist August von Rothmund (1830-1906). Der Sohn Franz Christoph von Rothmunds hat sich 1854 als erster Mediziner im Fach Ophthalmlogie habilitiert und ist seit 1863 der erste Ordinarius der Augenheilkunde an der Universität München. Infolge des Zustroms erhöht sich in Rothmunds Klinik in der Mathildenstrasse die Bettenzahl von 10 auf 60. Wegen Platzmangels zieht die von der Privat- zur Universitätsaugenklinik gewachsene Einrichtung 1879 um und übernimmt die früheren Räume des königlichen Wilhelm-Gymnasiums in der Herzog-Spitalstrasse 18.

Oskar Eversbusch (1853-1912) löst August v. Rothmund 1900 als Ordinarius ab. Eversbusch verwirklicht den Neubau der Augenklinik auf dem Areal des früheren Heiliggeist-Spitals in der Mathildenstraße. (Bild oben: Das ehemalige Heiliggeistspital um 1900, Gemälde von Franz Runner)

Universitätsaugenklinik in der Mathildenstraße

Elisabethkirche

Mit dem Neubau der Universitätsaugenklinik kann begonnen werden als ein ausreichend großes, zentral gelegenes Areal gefunden ist. Durch die Verlegung des Heiliggeist-Spitals nach Neuhausen (Dom-Pedro-Platz) steht an der Mathildenstrasse ein zirka 18000 qm großen Gelände zur Verfügung, auf dem zwischen 1904 und 1907 die neue Universitätsaugenklinik in der Mathildenstraße errichtet wird.

Erhalten bleibt vom Vorgängerbau die Elisabethkirche (Bild links). Im 13. Jahrhundert in der für München einzigartigen Lorettoform errichtet, flankiert sie den Klinikbau an der Mathildenstrasse. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, ist die Kirche, in der heute noch regelmäßig die Klinikgottesdienste stattfinden, 1947 restauriert und zuletzt 2007 renoviert worden.

Eversbusch, seit 1900 Ordinarius der Universitätsaugenklinik München, hat Erfahrung in der Ausstattung einer modernen Klinik. In seiner Zeit an der Universität Erlangen hat er den Bau der Erlanger Klinik mitgestaltet. Seine Erfahrungen und Vorstellungen kommen der Ausstattung der neuen Münchner Augenklinik zugute: Der Neubau stellt insgesamt 120 Betten bereit, sowie Aufenthaltsräume, Untersuchungszimmer, Ambulanzräume, einen aseptischen Operationssaal, Aseptischer OP der Augenklinik 1909 Laboratorien, Studierzimmer, einen größeren Hörsaal, Räume für Direktion und Verwaltung. Die Wirtschaftsraume liegen im Keller. Zimmer für Krankenschwestern und Dienstboten sowie eine Isolierabteilung werden im Dachgeschoss untergebracht. Zusätzlich entsteht im Hof ein einstöckiges Nebengebäude, in dem die Dampfwäscherei und Tierversuchsstätte untergebracht werden. Die Gesamtkosten für den Neubau einschliesslich der Inneneinrichtung belaufen sich auf 1 520 000 Mark. 1907 kann bereits der Ambulanzbetrieb in der Augenklinik aufgenommen werden. Die feierliche Eröffnung findet am 18. Januar 1909 statt.




Nachfolger Eversbuschs wird Carl von Hess (1863-1923). Dieser ist wissenschaftlich vor allem mit der Pathologie und Therapie der Linse, mit dem Farbensehen und mit der vergleichenden Physiologie des Gesichtssinns befaßt. Er ist von 1912 bis 1923 Ordinarius der Münchner Universitätsaugenklinik.

Als 1924 Carl Wessely (1874-1953) die Leitung der Universitätsaugenklinik in München übernimmt, bringt er von Würzburg, wo er bisher als Ordinarius der Augenklinik tätig war, zunächst 25 Schwestern aus der Kongregation der "Töchter des Allerheiligsten Erlösers" mit nach München. Da es versäumt worden ist, den Erzbischof Josef Kardinal Faulhaber um Erlaubnis zu bitten, können die Schwestern ihre Arbeit zunächst nicht aufnehmen, zumal bisher die Schwestern des Roten Kreuzes die Krankenpflege in der Klinik leisten. Erst nach Vermittlung durch die Universität nehmen die Schwestern aus Würzburg ihren Dienst auf. Sie bernehmen die Pflege auf den Stationen, den Ambulanz- und OP-Dienst, die Küche sowie die Verwaltung der Privatstation. In späteren Jahren mehr und mehr begleitet durch weltliche Krankenschwestern und -pfleger sind die Ordensschwestern bis zum Jahr 2002 in der Universitätsaugenklinik tätig.

Bauschaeden nach Luftangriff 1943

1935 wird Wessely von der nationalsozialistischen Regierung aus seinem Amt als Hochschullehrer entlassen. Nur der Intervention des Internationalen Ophthalmologenrates beim Reichsaußenminister ist es zu verdanken, dass Wessely die ihm zustehenden Rentenbezüge erhält, sowie ihm weiter Berufsausübung und Reisetätigkeit gestattet bleiben. Komissarisch übernimmt zunächst Arnold Passow, bisher Oberarzt, die Leitung der Augenklinik. Als Ordinarius folgt ihm 1937 Wilhelm Meisner, bis 1945 Karl Wessely die Leitung der Augenklinik wieder bernimmt.

1939 muss Professor Meisner auf der Männerstation ein Lazarett einrichten. Im Kellner wird ein Not-OP und ein Luftschutzbunker untergebracht. Am 3. Oktober 1943 während des schweren Luftangriffs auf München wird die Augenklinik durch eine Luftmine getroffen und schwer beschädigt. Während das Lazarett am 4.Oktober evakuiert wird richtet Professor Meisner zwischen den Trümmern einen Ambulanzbetrieb zur Versorgung der verletzten Stadtbewohner. Auf Weisung der amerikanischen Militärregierung wird Meisner 1945 seines Amtes enthoben. Nach der Einstellung eines Untersuchungsverfahrens wird Professor Meisner 1948 wieder verbeamtet, ohne Aussicht auf eine Stelle im öffentlichen Dienst aber 1949 emeritiert.

Wiederaufbau der Augenklinik bis 1956

Aufgrund der weitgehenden Zerstörung des Hauptgebäudes wurden der Augenklinik 1945 zunächst zusätzliche Räume in der Universitäts-Frauenklinik, Maistrasse zugewiesen.

Nachfolger Wesselys wird 1953 Wilhelm Rohrschneider (1895-1966). Rohrschneider ist zunächst mit dem Wiederaufbau und der Modernisierung der Klinik befasst, wobei die Zahl der Klinikbetten erhöht und eine Außenstation zur Behandlung der okulären Tuberkulose eingerichtet wird. Zwischen 1966 und 1968 übernimmt der Oberarzt Professor Dr. Remky stellvertretend die Leitung der Klinik.

Als Ordinarius wird 1968 Professor Dr. Otto-Erich Lund an Universitätsaugenklinik nach München berufen. Sein wissenschaftliches Interesse gilt vor allem Neuroophthalmologie und vergleichende Morphologie. Der allgemeinen Entwicklung hin zur ambulanten Behandlung folgend, organisiert Professor Lund zwischen 1968 und 1993 die Reduzierung der Betten von 217 auf 140 bei gleichzeitiger Zunahme der Patientenzahlen um 40%.

Am 1. Oktober 1993 übernimmt Professor Dr. Anselm Kampik die Leitung der Universitätsaugenklinik München. Seitdem entwickelt sich die Klinik konsequent weiter, um mit seinem umfassenden Leistungsspektrum dem Anspruch an universitäre Hochleistungsmedizin gerecht zu werden: Ab 2002 wird ein groß angelegtes Umbau- und Modernisierungsprojekt verwirklicht. Die Eröffnung des ambulanten Operationszentrums (AOZ) im Juli 2006 erweist sich dabei als richtungsweisend.

plastische Ambulanz Umbauphase Foto: G. Maltzahn plastische Ambulanz 2008 Foto: G. Maltzahn
Um- und Ausbau des Dachgeschosses zur plastischen Ambulanz   Fotos: G. Maltzahn


Die Hornhautbank bezieht neue Räume in einem frisch renovierten Forschungsgebäude der Augenklinik, in dem auch das neue Augenchirurgischen Forschungs- und Schulungszentrum eingerichtet wird. Mit der Möglichkeit am Operationssimulator, wie auch am Tierauge zu üben, findet hier im Dezember 2006 der erste Kurs für Ophthalmochirurgie statt. Mit Ausbau des Dachgeschosses der Augenklinik enstehen 2007 moderne Räumlichkeiten  für die Sektion Plastische Chirurgie, wie auch Unterrichtsräume für die an der Augenklinik neueröffnete Berufsfachschule für Orthoptik.

 

Prof. Dr. Siegfried Priglinger

Ab 1. November 2015 übernimmt Herr Professor Dr. Siegfried Priglinger die Nachfolge von Herrn Prof. Anselm Kampik als Leiter der Augenklinik der LMU München. Selbst ein Schüler von Herrn Prof. Kampik, der 22 Jahre Direktor der Augenklinik war, leitete Prof. Priglinger, nach seiner Facharztausbildung und Habilitation in München, seit 2007 die Augenklinik am Allgemeinen Krankenhaus Linz und baute die Augenklinik zur neu gegründeten Universitätsaugenklinik der Johannes Kepler Universität Linz auf. 

Schwerpunkte von Prof. Priglinger sind die Netzhaut- und die Hornhautchirurgie, die moderne Chirurgie des grauen und grünen Stars sowie die Laserbehandlung von Fehlsichtigkeiten. 

Lesen Sie mehr über Prof. Priglinger in seinem Lebenslauf.


Inzwischen ist die Universitätsaugenklinik in der Mathildenstrasse eine der größten Fachkliniken für Augenheilkunde in Europa. Jährlich werden zirka 50 000 Patienten behandelt und ungefähr 9000 Operationen durchgeführt. Zur Behandlung stehen derzeit 19 Ambulanzen und Spezialambulanzen zur Verfügung.

 

Zusammenfassung: Stefanie Guthmann 10/2008, Digitalisierung der Photographien: Gabriele Maltzahn.

Text-Quellen:
Augenklinik, Universitätsbauamt in München von Nr. 208 bis 238.
Bayerisches Staatsarchiv Plansammlung der Augenklinik Nr. 3266, Nr. 3267.
Augenklinik , Vertrag mit der Stadt München wegen Aufnahme armer Augenkranker (1878-1920). Archiv der Universitätsaugenklinik, Sg. VA AII 38,5.
Augenklinik Privatanstalt, Archiv der Universitätsaugenklinik, Sg. Sen 28.
Augenklinik und chirurgische Klinik, Archiv der Universitätsaugenklinik, Sg. Sen 58.
Eversbusch, Oskar, Die Entwicklung der Augenheilkunde an der Universität Landshut-München. Rede gehalten am 18. Januar 1809 bei der feierlichen Eröffnung der neuen königlichen Universitätsklinik und Poliklinik für Augenkranke in München. München 1909. Bibliothek Augenklinik.
Meisner Wilhelm, Wiederbesetzung des Lehrstuhles für Augenheilkunde, Archiv der Universitätsaugenklinik, Sg. N-NIIb.
Rothmund von, August, Archiv der Universitätsaugenklinik, Sg. EII N.
Weesely, Carl, Archiv der Universitätsaugenklinik, Sg. VA EII N.

Bild-Quellen:
Archiv der Universitätsaugenklinik München
Fotoabteilung der Universitätsaugenklinik München

Literatur:
Annalen der Städtischen Allgemeinen Krankenhäuser zu München, Berichte der Augenklinik im Städtischen Allgemeinen Krankenhaus links der Isar, 1874-1919, Bd 1-15.
Chronik der LMU, München, die Universitätsaugenklinik, S. 15 f.
Die neue Universitäts-Augenklinik, München und seine Bauten, Bayerischer Architekten- und Ingenieursverein, S. 503-507, Bruckmann Verlag.
Esser, Albert, Die Geschichte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, J. F. Bergmann, München 1957.
Gück, Detlev, Vivell, Patrick, Die Geschichte der Augenklinik der Universität München. München 1993 Ostra Verlag.
Grässel, Hans, Das Heilig-Geist_Spital in München. München 1910.
Hirschberg, Julius, Geschichte der Augenheilkunde, Deutschlands Augenärzte, Bd. 14, 3. Buch, Graefe Verlag.
Kuschel, B, Die alte Augenheilanstalt in der Mathildenstrasse. Durch Münchener Archivalien nachgewiesen, München 1985, Dissertation.
Lund, Otto-Erich, Rothmund und die Anfänge der poliklinischen Ophthalmologie in München. Ein Symposium zum 200. Geburtstag von Prof. Franz Reisinger. In: Die Münchner Polikliniken, 19./20. Feb. 1988
Mommsen, H., Beamtentum im Dritten Reich, Mit ausgewählten Quellen zur nationalsozialistischen Beamtenpolitik. S. 38, Stuttgart 1966, DVA.
Oswald, Alois, Die Geschichte der Augenheilkunde in München, Dissertation.
Rohrschneider, Wilhelm, Die Augenheilkunde in München. In: Fortbildungskurs für Augenärzte, München, 24.04.-04.05.1957, S. 10-15.
Schindler, Herbert: Deutsche Universitäten im Wiederaufbau. Bericht der Universität München in Studium Generale, S. 199-202.
Schlösser: Nachruf auf August von Rothmund. Klin. Med. Wochenschrift, 1907, Band 45, S. 109.
Walser, E, Nachruf auf Carl Wessely. Klin. Med. Wochenschrift, 1952/53, Band 153, S. 388.
Wessely, Carl, Die Ophthalmologische Klinik und Poliklinik. In: Die wissenschaftlichen Anstalten der LMU zu München, 1926, S. 104-106.